Funkenschlag Fabrikmanager

eine Spielerezension von Olaf Bormann - 24.02.2010
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Funkenschlag - Fabrikmanager von Reich der Spiele

Der Fabrikmanager weckte große Erwartungen, kommt er doch erkennbar und gewollt in den Fussstapfen von Funkenschlag daher. Dieselbe Schachtelgröße, Farbe und Aufmachung.

Worum geht es? Jeder hat eine Fabrik mit dem Platz für zehn Maschinen, Roboter und Lagerräumen sowie zwei weiteren Räumen, ausbaubar mit gehörigen Mehrkosten. Zusätzlich kann jeder in zwei speziellen Räumen durch entsprechende Ausbauten seine Energiekosten senken und die Produktivität steigern. Ein letzter Raum dient als Kantine zur Aufbewahrung der eingesetzten Arbeiter. Als eingesetzt gelten jene, die an den Maschinen arbeiten. Sie werden aber auch für die Versteigerung der Reihenfolge-Kärtchen genutzt und für den Einbau und Abriss von Fabrikteilen benötigt. Da jeder nur deren sieben hat, ist strenge Disziplin für ihren Einsatz nötig.

Nach Klärung der Reihenfolge werden vom zentralen Aufbewahrungsbrett die Fabrikteile in den Markt gelegt, nur diese sind käuflich. Sie sind nach ihrem Preis und Wirkungsgrad gestaffelt, zum Beispiel kostet ein Kärtchen, welches den Lagerwert um eins erhöht, sechs Elektro, jenes, das ihn um vier erhöht, achtzehn. Leider sind nicht alle greifbar. Um an die guten ranzukommen, müssen aus der entsprechenden Spalte auch die schlechteren auf den Markt gebracht werden, die ungewollten wandern am Zugende wieder auf das zentrale Feld. Das schafft kein Spieler allein, da müssen mehrere an einem Strang ziehen. Allerdings kauft der Spieler, welcher zuletzt Teile auf den Markt bringt, auch zuletzt ein. Ob dann noch etwas von den leckeren Maschinen übrig ist ... Hier liegt der zentrale Spannungsreiz von Fabrikmanager, hier ist Zockerei nötig. Das funktioniert leider nur in den kleinen Besetzungen von zwei oder drei Spielern richtig gut, bei vier oder fünf ist derart viel auf dem Markt, dass schon immer etwas Passendes dabei ist. Es ist aber immer viel Rechnerei, da jeder an vier Parametern schraubt.

Im Himmel über den Fabriken liegen bei jedem zwei Skalen, eine für Produktivität und eine für Lagerraum. Diese werden durch verschiedene Fabrikteile erhöht, nur der niedrigere Wert wird ausgeschüttet. Maschinen binden Arbeiter, Roboter setzen sie frei. Beide genannten verbrauchen Energie, also müssen Anlagen her, die den Verbrauch senken. Die Energiekosten werden steigen, wie schnell, ist nicht genau vorhersehbar. Die Reihenfolgekärtchen weisen mitunter Rabatte aus, wer hinten liegt, genießt die höchsten, als Faustformel. Bei Arbeitskräftemangel können Leiharbeiter angeworben werden, diese sind dann nach einer Runde wieder weg. Reihenfolge klären, Fabrikteile auf den Markt kippen, einkaufen und einbauen, neue Gewinnquote ausrechnen und nach acht Runden gewinnt, wer das meiste Geld im Sack hat.

Das Spiel dauerte zu fünft neunzig Minuten, was für diese Spielerzahl durchaus als zügig von mir eingeschätzt wird, allerdings war die gefühlte Spielzeit bei allen Mitspielern höher, was daran liegt, das die Wartezeiten kaum sinnvoll genutzt werden können. Bis ich am Zug bin, ist die Lieblingskombination schon teilweise oder gänzlich weggekauft worden, weswegen ich erst in meinem eigentlichen Zug mit dem Rechnen beginnen kann. Es lässt sich eine ganze Menge in diesem Spiel berechnen, wer dazu eine Neigung hat, strapaziert rasch die Geduld der Mitspieler, oft völlig ungewollt. Denn wer sich auf diese Berechnungen einlässt, versinkt rasch in den Zahlen und merkt nur noch wenig drum herum ... Eine gehörige Portion Aus-dem-Bauch-spielen gehört zum Fabrikmanager dazu, sonst ist der Fun-Faktor zügig gesprengt. Wem ein rasches Berechnen der eigenen Situation liegt, hat deutliche Vorteile in diesem Spiel.

Ich bekomme wenig mit vom Wirken in den anderen Fabriken, einzig wenn mir jemand etwas vor der Nase wegkauft, spüre ich Bezug zu Nachbarns, sonst ist es mir auch ehrlich gesagt ziemlich schnurz, was dort passiert, ich bin zur Genüge mit meinem eigenen beschäftigt. "Ich will etwas gezielt gegen den anderen unternehmen können", höre ich als Kritik von der Seite ... Autisten-Spiel, wirft jemand ein. Gänzlich kann ich diese Bemerkungen nicht abtun, da ist etwas dran ...

Fabrikmanager funktioniert, ist rund und schlüssig, einzig, es hat einen kühlen, fast schon spröden Charm ... Das ist bei einem Wirtschaftsspiel sicher immer eine Gratwanderung, was Funkenschlag gelingt, immer wieder zu fesseln, enorme Spannung zu erzeugen, gelingt Fabrikmanager leider nur zum Teil. Die Verbindungen mit den anderen Spielern sind zu gering, die Interaktion fällt ebenso zu schwach aus. Es geht im Spiel zu dritt natürlich schneller, die Vierer-Runde ist nur unwesentlich anders, als zu fünft, die Menge der Auswahl nimmt immer mehr zu, grenzt an Unübersichtlichkeit. Zu zweit kann ich selbstredend viel direkter darauf einwirken, was der andere noch zur Auswahl hat. Das kann auch sehr spannend sein.

Die Gretchen-Frage, wem kann ich Fabrikmanager empfehlen? Im Windschatten des Überbruders Funkenschlag? Die Luft ist dünn im Bereich der anspruchsvollen Strategie-Spiele, es gibt so viel gute, da hat es ein mittel-gutes sehr schwer. Wer gern schnell Zahlen im Kopf jongliert, ist bei Fabrikmanager gut aufgehoben!

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
60
Jahrgang: 
2009
Spielkategorisierung
Spielefamilie: 
Spielethema: 
Spielegattung: 
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