Nuit Blanche

eine Spielerezension von Frank Biesgen - 30.04.2007
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Das Wichtigste zuerst: Die hier dargestellte Sportart kennt der Rezensent leider nicht aus eigener Erfahrung. Insofern kann ein Urteil über die Qualität der Umsetzung nur mit gewissen Einschränkungen erfolgen.

Also Boule, der heimliche Nationalsport der Franzosen. Zwei Teams werfen Metallkugeln und versuchen dabei, möglichst nahe an eine neutrale Zielkugel, die „Sau“, zu kommen. Für jede Kugel, die nach einem Durchgang näher am Ziel liegt als die beste gegnerische, gibt es einen Punkt, bis eine Mannschaft 13 Punkte erreicht.

Auf dem Tisch findet das Geschehen auf einer ausrollbaren, in Planquadrate aufgeteilten Spielfläche statt. Zur Simulation des Wurfes hat sich der Autor etwas Besonderes ausgedacht: Man verwendet eine große Plastikkugel mit zwei Skalen im Innern, die eine für das Legen, die andere für das Schießen, also das Treffen bereits liegender Kugeln. Hat der Spieler sich für Legen oder Schießen entschieden, dreht er die Kugel mit mehr oder weniger elegantem Schwung, wobei er sich an einigen wenigen äußeren Anhaltspunkten orientiert. Nach dem Öffnen zeigt eine Art Kompassnadel, ob der vorgesehene Wurf geklappt hat, und das Team platziert seine Kugel entsprechend.

Darüber hinaus stehen zwei verschiedene Modi mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad zur Auswahl. In Modus A ermittelt man mittels der Kugel lediglich die Richtung des Wurfes, während Modus B zusätzlich die Wahl der Schussstärke erlaubt. Außerdem kommen noch gewisse weitere Feinheiten wie der Bogenwurf (über bereits liegende Kugeln hinweg) und geändertes Verhalten getroffener Kugeln hinzu.

Nuit Blanche gerecht zu bewerten, fällt nicht leicht. Letztlich handelt es sich nicht um ein Spiel im engeren Sinne, sondern um den Versuch einer angemessenen Simulation einer Sportart, was nicht oft vorkommt und aller Ehren wert ist. Dies schränkt gleichzeitig aber auch die Zielgruppe ein, die wohl lediglich aus Boule-Experten und interessierten Laien bestehen dürfte. Den meisten anderen dürfte die Aufgabe, quasi gleichzeitig zwei Spiele zu erlernen, doch eher zu mühselig sein, zumal auch die Anleitung gewisse Schwierigkeiten hat, das Spielprinzip zu veranschaulichen.

Bemerkenswert ist in jedem Fall, dass auf Glückselemente in Form von Würfeln verzichtet wurde und es lediglich auf gute Absprache innerhalb des Teams und Geschick im Umgang mit der Wurfkugel ankommt. Dieses Geschick zu entwickeln, erfordert sehr viel Zeit und noch mehr Geduld. Und es ist nicht zuletzt eine Frage des Glaubens, denn ob die Nadel im Innern der Kugel nicht doch irgendwo hakt, kann man nur ahnen. Wer bereit ist, all dies zu investieren, wird mit einer gelungenen Sportsimulation belohnt, die ihre Stärken gerade durch die Möglichkeit ausspielt, einander in Teams gegenüber zu treten.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
180
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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