Village

eine Spielerezension von Stephan Kurschat - 09.09.2012
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Village von eggertspiele

Village, also "Dorf", ist der Titel dieses im Mittelalter angesiedelten Brettspiels. Dieses Dorf ist der Hintergrund der Spielgeschichte und gleichzeitig auch auf dem gemeinsamen Spielbrett abgebildet. Jeder Spieler repräsentiert in Village eine Familie, die sich in diesem Dorf Rang und Namen machen möchte und über Generationen hinweg ihren Einfluss im Dorf vergrößern möchte.

Auf dem Spielplan sind verschiedene Bereiche abgebildet, in denen jeder Spieler Aktionen ausführen kann. Da haben wir den Bereich Familie, in dem der Spieler seinen Clan um ein Mitglied vergrößern kann, den Hof, bei dessen Auswahl der Spieler auf seinem Hof die Ernte einfahren kann. Man kann auf den Markt gehen, sich im Rathaus oder der Kirche engagieren, sich von Handwerkern hilfreiche Gegenstände fertigen lassen oder ein eigenes Familienmitglied handwerklich ausbilden lassen oder mit einem Familienmitglied auf Reisen gehen und so die große weite Welt erkunden. Abwechselnd im Uhrzeigersinn entscheiden sich die Spieler für eine der Aktionen. Man kann aber nicht jede Aktion gleich oft ausführen.

Auf allen diesen Aktionsfeldern liegen zu Rundenbeginn Güter. Der Spieler, der an der Reihe ist, muss sich für eine Aktion entscheiden, auf der noch mindestens ein Gut liegt, sich eines dieser Güter nehmen und dann seine Aktion durchführen. Die Entscheidung der Spieler, welche Aktion sie durchführen, wird also noch erschwert durch die Auswahl des dazugehörigen Gutes. Diese Güter benötigt man, um in den einzelnen Bereichen voran zu kommen. Die Handwerker möchten in Gütern bezahlt werden, um Pflüge oder Kutschen zu fertigen. Im Politikbereich oder auf Reisen kommt man ebenfalls nur weiter, wenn man auch die entsprechenden Güter bieten kann.

Eine weitere Art zu bezahlen macht den Hauptreiz des Spiels aus und ist gleichzeitig auch der Grund, warum man ab und zu in die Familienplanung einsteigen und für Nachwuchs sorgen muss. Einige Dinge zahlt man nämlich mit Lebensalter. So ist der Aufstieg in der Politik oder die Lehre im Handwerksbereich und die anschließende eigene Herstellung von Gegenständen mit einem Zeitaufwand verbunden, der in Village nicht mit Spielzeit, sondern mit Lebenszeit bezahlt wird. Diese muss auf der eigenen Hofkarte abgetragen werden, und immer wenn eine bestimmte Schwelle überschritten wird, muss eine eigene Spielfigur den Weg alles Irdischen gehen. Dabei sterben zuallererst die ältesten Spielfiguren. Hier gilt es zu taktieren, damit nicht die strategisch wichtig positionierten Spielfiguren das Zeitliche segnen.

Das Sterben hat aber auch sein Gutes, denn wer stirbt, kann einen Platz in der Ahnengalerie einnehmen, für die es am Spielende noch wichtige Siegpunkte zu ergattern gibt. Die Plätze in der Ahnengalerie sind aber begrenzt und sehr begehrt. Dadurch entbrennt für die Spieler ein ständiger Kampf: Soll ich lebenszeitaufwändige Aktionen durchführen und meine Spielfiguren sterben lassen, oder soll ich lieber sparsam sein und die guten Positionierungen meiner Spielfiguren auf dem Spielbrett ausnutzen? Denn auch für die Stellung der eigenen Spielfiguren in Politik oder Kirche gibt es wertvolle Punkte.

Auch das Spielende hängt entscheidend von der Anzahl der verstorbenen Spielfiguren ab. Ist die Ahnengalerie in einem Bereich voll, so können danach Verstorbene nur noch anonym begraben werden. Sind Ahnengallerie oder anonymer Friedhof gefüllt, wird das Spiel beendet. Und dieses Spielende kann schneller kommen, als einem lieb ist.

Village ist ein liebevoll gestaltetes Brettspiel mit Holzfiguren und einer übersichtlich gestalteten und gut geschriebenen Anleitung auf Englisch und Deutsch. In der ersten Partie wird man etwas erschlagen von der Komplexität. Wenn die Partie vorbei ist, weiß man eigentlich gar nicht so richtig, warum der Sieger des Spiels nun eigentlich gewonnen hat. Es gibt so viele unterschiedliche Gebiete, in denen Siegpunkte zu holen sind, dass sich eine richtige Taktik erst in den Folgepartien einstellt.

Village reiht sich ein in die Gruppe von komplexen Spielen mit vielen unterschiedlichen Aktionsmöglichkeiten, die Spiele wie Caylus, Stone Age oder Agricola enthält. Es kann sich aus dieser Menge hauptsächlich durch den pfiffigen Zahlmechanismus in Form von Spielfigurenlebenszeit herausheben. Es ist ein sehr interessantes Spiel, das aufgrund seiner Komplexität eher für eingespielte Brettspielgruppen und nicht für Gelegenheitsspieler geeignet ist. 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
90
Jahrgang: 
2011
Spielkategorisierung
Spielefamilie: 
Spielethema: 
Spielegattung: 
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