Wie ich die Welt sehe

eine Spielerezension von Bernhard Zaugg - 31.10.2005
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Wie ich die Welt sehe von Abacusspiele

Wenn auf der Unterseite einer Spielschachtel steht, der Inhalt sei "ein nicht ganz ernst zu nehmendes Kartenspiel für beliebig viele Leute", darf man sich ja auf einiges gefasst machen. Und wenn das besagte Spiel dann noch von Urs Hostettler stammt, dem geistigen Vater von Klassikern wie Kreml oder Tichu, erklimmt die Vorfreude gleich nochmals ungeahnte Höhen.

Dabei ist eigentlich alles ganz einfach: Das Spiel besteht aus 56 so genannten Meine-Welt-Karten und rund 400 Es-Kärtchen. Die Meine-Welt-Karten beschreiben eine mehr oder weniger außergewöhnliche Situation im Stile von "Das unverhoffte Auftauchen von XXX im Studio bringt selbst erfahrene Nachrichtensprecherinnen leicht ins Stottern" oder "Zur Bekämpfung von Ausschreitungen sollte die Polizei mit XXX ausgerüstet werden". Die Es-Kärtchen tragen Begriffe wie "undefinierbare Grunzlaute", "George W. Bush" oder "homöopathische Arnika-Kügelchen". Alle Mitspieler erhalten zwölf dieser Es-Kärtchen ausgeteilt, und dann geht es bereits los.

Der Startspieler, gemäß der (überaus witzig zu lesenden) Spielanleitung "Individuum, das erläutert, wie es die Welt sieht" oder kurz Idewedwes genannt, zieht eine der Meine-Welt-Karten und liest sie laut vor. Alle übrigen Spieler wählen darauf eines ihrer Es-Kärtchen und legen es verdeckt in die Tischmitte. Außerdem wird eine beliebige Karte vom Vorratsstapel dazugelegt. Das Idewedwes mischt darauf die eingegangenen Es-Kärtchen und liest sie ebenfalls laut vor. Anschließend sucht es sich jenes Kärtchen heraus, das seiner Meinung nach am besten in die XXX-Lücke der Meine-Welt-Karte passt. Der Entscheid kann nach eigenem Belieben erläutert und diskutiert werden.

Der Spieler, von dem das ausgewählte Es-Kärtchen stammte, legt dieses offen als Gewinnpunkt vor sich hin und wird zum Idewedwes der nächsten Spielrunde. Alle übrigen Spieler ziehen ein neues Es-Kärtchen vom Vorrat, während die leer ausgegangenen Kärtchen weggelegt werden. Erwischt das Idewedwes dagegen das Es-Kärtchen vom Stapel, muss es einen seiner eigenen Gewinnpunkte abgeben und die nächste Runde nochmals als Idewedwes bestreite. Wer zuerst eine bestimmte Anzahl offene Es-Kärtchen erworben hat, gewinnt das Spiel.

Wie ich die Welt sehe macht ungeheuer Spaß und ist in jeder Rundengröße ausgezeichnet spielbar. Gute Gewinnchancen besitzt, wer das jeweilige Idewedwes gut einzuschätzen, dessen Gedanken zu antizipieren und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen vermag. Dies alles geschieht jedoch in einem derart lockeren und kommunikativen Rahmen, dass der Sieger der Partie eigentlich nur am Rande interessiert. Spontanes Gelächter kann dabei schon die Auswahl der Es-Kärtchen im Zusammenhang mit der Meine-Welt-Karte auslösen. Und wenn dann noch der Entscheid des Idewedwes zu Gunsten eines bestimmten Kärtchens diskutiert und hinterfragt wird, geht die Post erst richtig ab. Wir haben buchstäblich Tränen gelacht und uns köstlich amüsiert. Und angesichts seiner angenehmen Dauer kann Wie ich die Welt sehe wirklich mit jedermann und bei allen sich bietenden Gelegenheiten gespielt werden.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 9
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
20
Jahrgang: 
2004
Spielkategorisierung
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