Bali (Rapa Nui)

eine Spielerezension von Axel Bungart - 28.09.2017
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Bali Spielaufbau - Foto von Axel Bungart

Bali von White Goblin Games ist eine Neuauflage des 2011 bei Kosmos erschienenen Rapa Nui von Klaus-Jürgen Wrede. Die Geschichte spielt sich jetzt statt auf den Osterinseln westlich von Südamerika knapp 14.000 km weiter westlich, eben in Bali, ab. Aus Jägern und Sammlern und deren typischen Erträgen wurden Bauern, die Früchte anbauen bzw. ernten, aus Moais wurden Schreine, aus Holzfällern Steinmetze. Demzufolge zahlt man jetzt mit Steinen statt mit Holz. Schließlich wird jetzt auf einem hübschen 3D-Altar geopfert, der in der Tischmitte aufgebaut wird. Ansonsten ist der Spielablauf genau der des Vorgängerspiels Rapa Nui.

Bali: Neuauflage von Rapa Nui nicht fehlerfrei

Eigentlich hat man also nur einem alten Spiel ein neues Gewand gegeben. Umso erstaunlicher ist es, dass im Gegensatz zur einst vollständigen, fehlerfreien Spielregel von Kosmos jetzt ein paar Details fehlen, die es den Spielern auf Anhieb fast unmöglich machen, Bali nach einfachem Regelstudium zu spielen.

Es fängt damit an, dass an keiner Stelle erwähnt ist, ob jeder Spieler zunächst alle vier Spielphasen für sich durchspielt oder ob man die einzelnen Spielphasen rundenweise austrägt, also jeder Spieler Phase eins, dann jeder Phase zwei usw.. Meine erste Spielrunde mit zwei erfahrenen Spielern wäre fast daran gescheitert. Erst nach Ausprobieren und logischer Folgerung kamen wir zu dem Ergebnis, dass jeder Spieler die Phasen Eins bis Drei nacheinander für sich spielt und dann die Phase vier aber für alle Spieler gilt.

Weiter wird nichts darüber gesagt, ob der Startspieler wechselt. Es ist auch missverständlich (weil nicht explizit erklärt), ob die Opferkarten offen ausgelegt oder verdeckt gehalten werden. Darüber kommt man zumindest bei der Endabrechnung ins Grübeln, weil dort in einem Beispiel davon die Rede ist, dass ein Spieler die Opferkarten vor sich liegen hat. Hätte er aber eigentlich gar nicht (nach Kosmos).

Ein winziges Detail bei der Beschreibung der Endwertung soll darüber Aufschluss geben, dass man die Werte der geopferten Karten mit den eigenen Opferkarten multiplizieren soll. Das ist zu wenig. Hier gehört ein sprachlich ausformulierter Hinweis hin.

Gesellschaftsspiel Bali: Neuauflage mit Nachbesserungsbedarf

Da fragt man sich, was die Redakteure bei den White Goblins dazu getrieben hat. Und wo war der Autor, der die Neuauflage von Bali doch mit zu verantworten hatte? Das ist mehr als schlampig und spielerisch eine Zumutung. Somit wird aus einem simplen aber durchaus unterhaltsamen Familienspiel ein Rätsel, an dem nicht so versierte Spieler scheitern werden. Familien, die schon an vollständigen und eigentlich klaren Regeln verzweifeln, werden dieses Spiel mit dieser Regel definitiv nie ans Laufen bringen.

Insofern muss man sagen: Das Spiel wäre (wie schon 2011) ein Spiel, das aufgrund des schönen Materials, klarer Grafik und einfachen Spielverlaufs ein breites Publikum ansprechen würde. Aber die Spielregel macht das alles zunichte. Bitte dringend nachbessern, Goblins!

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
45-60
Jahrgang: 
2017
Spielkategorisierung
Spielefamilie: 
Spielethema: 
Fotos
Bali Grafik der Spielkarten - Foto von Axel Bungart
Bali Plättchen - Foto von Axel Bungart
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