Carnival of Monsters

eine Spielerezension von Axel Bungart - 14.10.2019
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Carnival of Monsters - Auschnitt - Foto von Amigo Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Im Herbst 2017 erhielt unsere Redaktion einen Prototyp von Carnival of Monsters. Das Spiel sollte ein Jahr später (zunächst nur) auf dem amerikanischen Markt erscheinen. Doch die Crowdfunding-Kampagne floppte und so musste sich die neugierig gemachte Kundschaft weiter gedulden. Zu ihrem Vorteil, wie sich herausstellte, denn im Herbst 2019 erscheint nun das Spiel endlich – und auch in Deutschland.

2-5 Spieler fangen als Bewerber für die Königlich Monstrologische Gesellschaft Monster aus verschiedenen Landen, in denen diese leben. Am Ende einer Saison (Spielrunde) wird die Menagerie der johlenden Menge in einer spektakulären Veranstaltung präsentiert: Dem Carnival of Monsters (Amigo Spiele). Je gefährlicher die Monster, desto mehr Siegpunkte bringen sie ein. Das ist kurz gefasst die Hintergrundgeschichte zu Carnival of Monsters von Richard Garfield, dem Vater der Magic-Kartensammelspiele

So wird Carnival of Monsters gespielt

Die Spieler erhalten zu Beginn jeder der vier Runden (Saisons) acht Karten auf die Hand, die im Laufe der Runde gedraftet und vollständig ausgespielt werden. Auf diese Weise sammelt man alles, was man braucht: Monster und die Lande, aus denen sie kommen, Mitarbeiter, die einem dauerhaft Spielvorteile bringen, Sofortaktionen und Zielkarten, welche für Siegpunkte am Spielende wichtig sind.

Bei jeder Karte, die man sich aussucht, entscheidet man, ob man sie sofort kostenlos auslegt oder eine Münze bezahlt und dafür für später verwahren darf (/muss). Da man für Monster aus einem bestimmten Land erst entsprechende Länderkarte(n) benötigt, hängt das Auslegen des einen vom Vorhandensein des anderen ab. Daher besteht immer der innere Zwist zwischen dem Erweitern seiner Länderkarten und dem Sammeln von Monstern, die letztlich die Siegpunkte bringen.

Am Ende jeder Saison muss man noch Gefahren (in Form von Symbolen) abwehren, die bestimmte Monster mit sich bringen. Schließlich kann man die ausgespielten Monster in seine Menagerie ablegen, wo sie für die Endabrechnung gehortet werden. Nach vier Runden endet das Spiel, und dann gewinnt, wer mit seinen Monstern, den Zielkarten und seinem Geld die meisten Punkte erreicht hat.

Carnival of Artists

Nicht weniger als sieben namhafte Illustratoren, unter ihnen Dennis Lohausen, Franz Vohwinkel und Michael Menzel, haben auf rund 200 Karten ihren Künsten freien Lauf gelassen. Ob Monster- oder Länderkarten, ob Mitarbeiter, Events oder geheime Ziele, die Karten sind alle samt atmosphärisch und detailverliebt gezeichnet. Was einst als Hauptverkaufsargument gedacht war, steht heute zumindest für einen gelungenen Blickfang.

Auch die Spielregel ist wirklich sehr schick gestaltet. Sie wirkt extrem aufgeräumt und erfährt durch das Layout und die Farbgebung eine geradezu edle Note.

Bis auf ein Detail ist die Spielregel auch vollständig. Lediglich bei einer der Karten ist die Beschreibung so ungenau, dass man sie ohne Erklärung nicht sinnvoll spielen kann: Bei der Karte „Beratung für die Behörden“ wird gesagt, dass man für die Monsterkarten auf seiner Hand Geld erhält. Nach der Spieleregel hat man aber nie Karten auf der Hand, wenn man eine Karte ausspielt. Hierzu erhielt ich von der Redaktion den Hinweis, dass sich die Karte auf den Stapel der Karten bezieht, die man für später aufhebt. Das wird in einer nächsten Auflage behoben.

Ansonsten hält auch das restliche Material qualitativ das Niveau, das die Karten und die Spielregel an künstlerischem Artwork vorlegen.

Gesellschaftsspiel Carnival of Monsters - Foto von Amigo Spiele

Drafting mal wieder

Das ist auch gut so, denn Carnival of Monsters ist spieltechnisch keine Offenbarung. Der Draftingmechanismus ist aus Spielen wie 7 Wonders und natürlich Magic hinlänglich bekannt. Aber dennoch ist es ein Spiel mit Anziehungskraft. Es gibt keine überbordenden Regeln, man findet somit schnell ins Spiel. Auch das Gameplay an sich stellt an die Spieler keine außerordentlichen Ansprüche.

Deshalb fühlen sich manche vielleicht unterfordert, doch in Wirklichkeit erlebt man in angenehmen 30-45 Minuten ein Spiel, das aufgrund der über 200 Karten in jeder Runde anders verlaufen kann. Spaß und Spannung in jeder Partie sollten somit eine Zeit lang vorhanden sein.

Die Herausforderung besteht für die Spieler darin, aus den Karten, die in einer Saison im Spiel sind, für sich das Beste herauszuholen. Diese für diese Art Spiele typische Mikrostrategie funktioniert auch hier und kann Spieler am Ende einer Runde belohnen oder auch abstrafen. Die Strafen bedeuten bei Carnival of Monsters zum einen, dass man keine oder nicht genug Monster (= Siegpunkte) sammeln kann. Zum anderen ist Geld hier kostbar, und wer kein Geld mehr hat aber welches braucht, bekommt es nur auf Kosten von Siegpunkten.

Der Reiz des Draftens bei Carnival Of Monsters

Da Draftingspiele in der Regel im Spiel zu zweit an Reiz verlieren, hat man dafür eine Sonderregel bemüht, die dem entgegenwirkt. Das funktioniert, aber ehrlich gesagt, macht es ab drei Personen doch mehr Spaß. Darüber, ob der Draftingmechanismus an sich ein interaktives Element ist, kann man diskutieren. Mehr Interaktion als das ist jedenfalls in Carnival of Monsters nicht vorhanden.

Dennoch: Bei uns ist das Spiel überwiegend gut angekommen. Weil es rund läuft, wirklich schön aussieht und weil man hinterher trefflich darüber diskutieren kann, in welchem Entscheidungsnotstand man Runde für Runde gesteckt hat. Denn auch das ist typisch für Carnival of Monsters: Man muss sich immer von etwas trennen, das man gerne behalten würde. Und das fällt manchem schwer.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
45
Jahrgang: 
2019
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
Fotos
Gesellschaftsspiel Carnival of Monsters - Foto von Amigo Spiele
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