Das Fundament der Ewigkeit

eine Spielerezension von Alexandra Fauth - 14.03.2018
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Brettspiel Das Fundament der Ewigkeit - Foto von Kosmos
Lesezeit: ca. 7 Minuten

Wir haben die Säulen der Erde in Form einer Holzkathedrale errichtet und zwei Jahrhunderte später in Kingsbridge die Pest überstanden; nun haben sich die Tore der Welt geöffnet und wir landen – wieder zwei Jahrhunderte später – mitten im Europa der Reformation, wo wir das Fundament der Ewigkeit erspielen. Ken Folletts Trilogie kommt zu einem Ende, sowohl auf den papiernen Seiten als auch auf den papierbeklebten (Papp-)Brettern, die die Welt bedeuten. Ein Novum in beiden Welten: Buch (Bastei Lübbe) und Spiel (Kosmos, wieder von Michael Rieneck) sind in Deutschland am selben Tag erschienen – passend zum Thema im Lutherjahr 2017.

Wie? Ob es ein fulminantes Ende ist? Spielen wir doch einfach mal los:

Wir spielen Das Fundament der Ewigkeit

War der Markt in Die Säulen der Erde noch eine von vielen Möglichkeiten, bauen wir nun eigene Handelshäuser in den vier Städten Kingsbridge (die einzige fiktive Stadt), Paris, Sevilla und Antwerpen. Dreh- und Angelpunkt des Spiels sind die Glaubenssteine, die anzeigen, welcher Konfession eine Stadt angehört. Vorsicht, nur nicht die falsche Religion zur falschen Zeit annehmen! Kommt es zu einem Religionskonflikt, werden alle unliebsamen Handelshäuser niedergebrannt. Haben wir klug gewählt und dieselbe Religion wie die Stadt, bekommen wir Siegpunkte. Soweit der narrative Kern des Spiels. Der Mechanismus ist karten- und würfelbasiert: Pro Runde würfeln wir mit bis zu sechs Würfeln, wobei diese via Farben den Städten zugeordnet sind (es gibt außerdem einen Joker und einen Religionswürfel). Dort suchen wir uns eine Person aus, deren Aktion uns so viele Runden zur Verfügung steht wie die gewürfelte Augenzahl der entsprechenden Farbe. Je mehr Personen wir haben, desto weniger Würfel haben wir zur Auswahl. Die Rundenzahl der gewählten Religion (katholisch/protestantisch) wird ebenfalls via Würfelsystem festgelegt; als Religionsminderheit bekommen wir einen strategisch nutzbaren Ausgleichssiegpunkt. Ach ja, und natürlich gibt es wie in den Vorgängerspielen einen „Bogen“ – diesmal die Aktionsleiste. Hier können wir per farbcodiertem Laufmechanismus Waren bekommen bzw. verkaufen (= Siegpunkte) oder zusätzliche Aktionen durchführen – allerdings nur, wenn wir dafür noch Farbwürfel übrighaben. Das Fundament der Ewigkeit währt bei all dem nicht ewig, sondern endet, wenn einer von uns das Ende der Siegpunktleiste erreicht.

Mit wem spielen wir das Fundament der Ewigkeit eigentlich?

Das Fundament der Ewigkeit ist, wie Die Tore der Welt, ein glückslastiges Optimierungsspiel. Diesmal ist der Druck jedoch reduziert. Mussten wir uns im entbehrungsreichen Mittelalter noch Sorgen um anfallende Abgaben machen (Steuern, Getreide, Frömmigkeit), ist die Lage im 16. Jahrhundert entspannter. Siegpunkte bekommen wir primär über nur zwei Ereignisse: Warenverkauf und Religionskonflikte - insgesamt erscheint Das Fundament der Ewigkeit überschaubarer als die beiden Vorgängerspiele. Nach mittelfristigen Spielpausen kommen wir dank der Übersichtskarten schnell wieder ins Spiel. Von allen drei Spielen spricht das Fundament der Ewigkeit am ehesten Gelegenheitsspieler an. Zufallselemente wie die unter die Personen gemischten Ereignisse und die Würfel gleichen unterschiedliche Spielerfahrungen der Mitspieler aus. Trotzdem, taktische Flexibilität ist wichtig, wenn nicht spielentscheidend. Gerade die Zufallselemente sorgen dafür, dass wir uns immer wieder auf neue Gegebenheiten einstellen müssen. Lange Strategieplanung ist nur bedingt möglich. Also kein Kennerspiel? Doch,  irgendwie schon. Die taktischen Möglichkeiten sind trotz allem nicht zu unterschätzen (dazu unten mehr).

Fazit: Wir spielen das Fundament der Ewigkeit eher nicht im Kreise der Familie. Aber auch nicht mit Expertenspielern. Stattdessen finden wir uns in gemischten Runden aus Gelegenheits- und Kennerspielern wieder. Und ja, das Literaturthema lockt auch Nichtspieler an den Tisch.

Das Fundament der Ewigkeit: Ein fulminantes Finale der Follett-Trilogie?

Spielerisch hat jede der drei „Verspielungen“, so Autor Michael Rieneck, einen anderen Mechanismus:

  • Die Säulen der Erde: Worker Placement (Rieneck nennt das "Figuren-Management")
  • Die Tore der Welt: Karten-Management
  • Das Fundament der Ewigkeit: Würfel-Management

Letzteres ist nicht so bekannt wie Worker Placement, fühlt sich aber dennoch nicht wirklich neu an. Und irgendwie erinnert es uns an Die Tore der Welt. Wieso? Ob Würfel oder Karten, die grundlegenden Auswirkungen sind gleich: durch die Anzahl der Würfel bzw. Karten beschränkte Möglichkeiten. Wir müssen immer wieder neu abwägen, welche Aktionen wir wirklich brauchen. So weit, so bekannt. Beim neuesten Follett-Spiel laufen wir aber in eine Falle, die es bei den Toren der Welt so nicht gab: Wenn wir nicht aufpassen, haben wir alle Aktionen (sprich: Würfel) fest gebunden. Und ehe wir uns versehen, ist es passiert: Alea iacta est. Oder, wie die Protestanten sagen würden: Die Würfel sind gefallen. Alle.

Strategie ist also doch ein wenig mit im Spiel. Zumindest die nächsten Spielzüge müssen wir im Blick behalten. Genauso wie die Religion der Städte und Mitspieler. Überhaupt kann ein Spielzug weitreichende Auswirkungen haben. Die Würfelwahl erinnert da an das Ausrichten der Ereigniskarte bei den Toren der Welt: Wir bekommen damit nicht nur die entsprechende Person, sondern legen auch die Position unseres Handelshauses fest (potenzielle Siegpunkte) und bestimmen die Religion der Stadt mit (beeinflusst auch die Mitspieler).

Die Gänze der taktischen Möglichkeiten erschließt sich uns erst im Laufe mehrerer Partien. Viele kleine Sonderregeln wie der Siegpunkteinsatz (z. B., um im richtigen Moment die Religion zu wechseln) lassen mit der Zeit ein taktisches, in Teilen strategisches Spiel (viel mehr als bei den Toren der Welt) zu. Am meisten Spaß macht das Fundament der Ewigkeit daher erst, nachdem wir die (Sonder-)Regeln (alle) verinnerlicht haben. Besonders zu zweit spielt es sich dann hervorragend. Das Würfelsystem könnte noch innovativer sein, ergänzt den Stimmungsmacher-Mechanismus um die Religionen aber gut. Insgesamt ergibt sich ein interessantes Spielprinzip, das wir gerne mehrfach spielen. Und inzwischen sehen wir ihn auch überdeutlich, den roten Faden der Trilogie: Taktische Flexibilität und ständiges Abwägen bei begrenzter Aktionszahl (das natürlich auch beim Worker Placement entsteht). Trotzdem lehnt sich das Fundament der Ewigkeit in einigen Punkten fast zu sehr an Die Tore der Welt an.

Das Fundament der Ewigkeit: Weniger Atmosphäre, schlechtes Materialkonzept

Nicht nur spielerisch, auch optisch hat die Trilogie einen roten Faden. Wesentliche Spielelemente wie die Abdeckplättchen oder die in allen drei Spielen vorhandenen „Bögen“ (Kostenleiste, Gunstbogen, Aktionsleiste) sind einheitlich gestaltet. Und natürlich erwecken Menzels detailverliebte Illustrationen Folletts Welt auch diesmal zum Leben. Einige historische und dramaturgische Aspekte sind thematisch gekonnt ins Spiel übersetzt. Dennoch: Das scheinbare Dreamteam aus Buch und Spiel überzeugt uns diesmal nicht auf ganzer Linie. Sevilla ist auf dem Spielplan geographisch seltsam positioniert, Maria Stuart kann nach ihrer Hinrichtung wiederauferstehen (wenn wir die Personenkarte nach dem Ereignis ihrer Hinrichtung aufdecken) und so weiter. Die Anleitung verweist auf diese kleinen Unstimmigkeiten und erklärt: alles im Sinne des Spiels. Und ja, das spielt sich ja auch gut, aber das Besondere an dieser Spiele-Trilogie ist und war gerade das nahtlose Zusammenspiel beider Unterhaltungsmedien; das Spielen eines historischen Romans. Schade. 

Und natürlich vermissen wir die haptische Besonderheit der Holzkathedrale im ersten Spiel. Diesmal aber nicht nur das. Ohne den Spielgefühl-Artikel wiederholen zu wollen, ist manches so gravierend, dass es (noch einmal und immer wieder) gesagt werden muss: Ja, das Material ist gewohnt hochwertig aus Holz und Pappe, und über Vieles (wie die Brettgestaltung) kann man sicher streiten, aber (und das ist ein wirklich großes Aber) …

Das Materialkonzept ist schlicht nicht durchdacht. Sechs Würfel – drei mit viel zu ähnlichen Farben. Niemand von uns ist farbenblind, trotzdem sehen Violett und Braun selbst bei hellem Decken- oder Tageslicht nahezu gleich aus, und auch das Dunkelblau verwechseln wir immer wieder damit. Was für ein Spaß, das Fundament der Ewigkeit in der Weihnachtszeit bei heimeligem Kerzenschein zu spielen! Umso erstaunlicher ist die Farbwahl für uns, da Kosmos offenbar viele Gedanken ins Farbkonzept gesteckt hat: Graue Religionssteine stehen ganz im historischen Sinne für Protestanten, da diese sich bevorzugt in diese Farbe hüllten, violette für Katholiken, die sich gern prächtiger kleideten. Warum, bitte schön, steht der violette Würfel dann auch für den Joker (bei der Städte-Zuordnung) und den Handel (auf der Aktionsleiste)? Eine Erklärung dafür haben wir in der Anleitung vergeblich gesucht. Da bleibt nur die Wiederholung: Schade. Der Spielspaß leidet unter all diesen konzeptionellen und dramaturgischen „Kleinigkeiten“. Das kann auch die ansonsten schöne Atmosphäre nicht mehr retten; die redaktionelle Gestaltung von Spielprinzip und Geschichte war bei den vorigen Spielen deutlich besser gelungen. Nicht zuletzt deshalb ist das Fundament der Ewigkeit zwar ein spielenswertes Finale, aber leider bei Weitem kein fulminantes.

Zusammenfassung: Lohnt sich Das Fundament der Ewigkeit als Brettspiel?

Ein schönes Brettspiel mit interessanten, wenn auch nicht bahnbrechenden Mechanismen und Wiederspielreiz. Im Vergleich zu den Vorgängern bröckelt die Atmosphäre, dafür schafft auch Teil 3 den Spagat zwischen Gelegenheits- und Kennerspielern und bringt auch mal verschiedene Generationen zusammen an den Tisch. Ken Follett-Fans und Liebhaber der beiden Vorgängerspiele werden Das Fundament der Ewigkeit trotz einiger primär redaktioneller Mängel sicher gern und oft spielen (und sich nicht nur bei Kerzenschein immer wieder fragen, wer diese verflixten Farben gewählt hat).

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
90
Jahrgang: 
2017
Spielkategorisierung
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