Die Burgen von Burgund: Das Würfelspiel

eine Spielerezension von Ralf Schallert - 25.04.2018
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Die Burgen von Burgund: Das Würfelspiel - Foto von Ravensbruger Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

In den letzten Jahren hat es sich eingebürgert, den Namen und die Spielidee von sich gut verkaufenden Brettspielen nochmals zu verwerten indem daraus noch ein Kartenspiel oder ein Würfelspiel gemacht wird. So auch im vorliegenden Fall. Auf das 2011 veröffentlichte Brettspiel Die Burgen von Burgund folgte 2016 Die Burgen von Burgund – Das Kartenspiel und 2017 tatsächlich auch noch: Die Burgen von Burgund – Das Würfelspiel. Für das Kartenspiel zeichnete Stefan Feld noch selbst verantwortlich, das Würfelspiel hingegen wurde komplett in die Hände von Christoph Toussaint gelegt. Der Name von Stefan Feld findet sich zwar als Zugpferd noch auf dem Cover, im Impressum der Spielregel taucht er allerdings nicht mehr auf. Christoph Toussaint hat 2015 schon das Würfelspiel OctoDice designt, welches die eher mittelmäßige Würfelspielumsetzung des Brettspiels Aquasphere von Stefan Feld ist.

Wie funktioniert eine Partie Die Burgen von Burgund: Das Würfelspiel

In Die Burgen von Burgund – Das Würfelspiel von Alea Spiele/Ravensbruger erhält jeder der bis zu vier Spieler ein Blatt, auf welches eines von vier verschiedenen Königreichen aufgedruckt ist. Die Königreiche bestehen immer aus 37 sechseckigen Feldern. Diese gibt es in sechs unterschiedlichen Farben und sie bilden unterschiedlich große, gleichfarbige Gebiete. Von einer gewählten Startburg ausgehend müssen während der drei Spielrunden möglichst viele der Felder aktiviert und abgestrichen werden. Dazu würfelt ein festgelegter Spieler mit den fünf beiliegenden sechsseitigen Würfeln. Zwei davon zeigen die üblichen Zahlenwerte, zwei weitere den Gebieten zugehörige Farben und der fünfte Sanduhrsymbole. Während die Sanduhren die verbrauchten Zeiteinheiten symbolisieren, eine Runde besteht immer aus zehn Zeiteinheiten, suchen sich die Spieler aus den anderen vier Würfelergebnissen jeweils eine mögliche Kombination aus Zahl und Farbe aus, um bei sich ein entsprechendes Gebietsfeld zu aktivieren. Dabei gibt es allerdings mehrere Einschränkungen. Zum einen dürfen nur Felder angrenzend zu bereits abgestrichenen Feldern aktiviert werden und zum zweiten gibt es bei allen Feldern gewisse Einschränkungen. So können die lila Klöster nur mit einer eins oder zwei, graue Minen mit einer drei oder vier und blaue Flussfelder nur mit einer fünf oder sechs aktiviert werden. Orange Stadtgebiete müssen jeweils unterschiedliche Zahlen enthalten, gelbe Weiden hingegen gleiche Zahlen und für die Aktivierung einer weiteren Burg muss mit der entsprechenden Zahl schon ein Nachbarfeld aktiviert worden sein. Wurde ein Gebietsfeld aktiviert gibt es einen Bonus. Diese können angespart und jeweils einer pro Zug eingesetzt werden. Wird ein Gebiet vollständig abgeschlossen erhält der Spieler eine zusätzliche Punkteanzahl, die allerdings Runde für Runde kleiner ist. Ziel ist es also so schnell wie möglich große Gebiete abzuschließen, um möglichst viele Punkte zu kassieren. Wer nach Ablauf der drei Runden die meisten Punkte gesammelt hat ist Sieger.

Lohnt sich Die Burgen von Burgund: Das Würfelspiel

Die Burgen von Burgund – Das Würfelspiel ist ein komplettes Solitär-Puzzle-Spiel. Außer beim Würfeln gibt es so gut wie keine Interaktion. Selbst zu schauen woran die Mitspieler aktuell werkeln ist nicht von Belang da sich jeder Spieler aus dem zufällig gewürfelten Ergebnis das für ihn Passende heraussuchen kann. Durch die vielen kleinen Zusatzregeln hat man immer das Gefühl etwas vergessen zu haben, wen dem so ist bekommt es allerdings auch niemand mit. Das Material ist zudem nicht unbedingt funktional. Die Blätter mit den Fürstentümern sind recht dunkel und klein geraten, sodass man beim Einsatz der beigelegten „IKEA“-Bleistiften wenig erkennen kann. Hier muss man zum Kugelschreiber oder Fineliner greifen. Wenigstens drücken diese bei den doppelseitig bedruckten Blättern nicht durch.

So richtig erschließt sich mir die Zielgruppe für Die Burgen von Burgund – Das Würfelspiel nicht. Es ist eine nette Würfelei. Aber Vielspieler, welche das Brettspiel geschätzt haben, greifen doch eher zu Spielen mit geringerem Glücksfaktor. Fans von Würfelspielen werden sich an den vielen kleinen Zusatzregeln und der mangelnden Interaktion stören. Insofern scheint der Verlag hier eher auf Gelegenheitskäufer und Gewinnmaximierung abzuzielen, denn nicht umsonst zieren Autor und sogar das Cover des großen Bruders auch die Front dieses Würfelspielchens. Daher kann ich für Die Burgen von Burgund – Das Würfelspiel leider keine Empfehlung aussprechen. Hier gibt es in jeder Kategorie deutlich bessere Spiele.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spielerzahl: 
1-5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
15-30
Jahrgang: 
2017
Spielkategorisierung
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