Verleger Franz-Josef Herbst über das Familienspiel Mahe

Eierlegendes Schildkrötenrennen

ein spielerischer Artikel von Michael Weber - 22.09.2014
Familienspiel Mahe - Foto von franjos Spieleverlag

Franz-Josef, zur Spielemessen in Essen 2014 erscheint bei deinem Verlag franjos Mahe von Alex Randolph. Der Titel klingt nach Traumstrand und Urlaub. Um was geht es in diesem Spiel?
"Es geht bei dem Spiel um Schildkröten, die am Strand Eier ablegen. Bevor sie das tun können, müssen sie die Insel (Mahé) umrunden. Für die Bewegung werden Würfel nach einem pfiffigen Prinzip genutzt. Manchmal gibt es auch die Gelegenheit, sich von einer anderen Schildkröte mittragen zu lassen."

Wie kam es zur Entscheidung, das Spiel anders zu verorten. Der Originaltitel Die heisse Schlacht ums kalte Buffet ist nicht gerade eng beim neuen Titel.
"Da ich mittlerweile den überwiegenden Teil meiner Spiele ins Ausland verkaufe, brauchte ich einen Titel, der auch international 'funktioniert'. Weil ich statt der geprägten Holzscheiben auch gerne stapelbare Spielfiguren haben wollte, habe ich nach einem passenden Thema gesucht. Im 1974 erschienenen Vorläufer wurde noch mit Känguruhs gespielt, allerdings auch in Form von Holzscheiben. Figürliche Känguruhs sind allerdings nicht optimal für das Stapeln geeignet. Die Lösung kam dann von meinem ehemaligen Partner, Franz-Josef Schulte. Er hatte eine Schildkröte entworfen, die sich wunderbar stapeln ließ. Der Rest hat sich dann von hier aus ergeben."

Was wird die Aufgabe der Spieler vor diesem thematischen Hintergrund bei Mahe sein? Welche Änderungen gibt es zum Original?
"Wie bei den Vorläufern auch gilt es, einen Rundkurs von 21 Feldern zu absolvieren. Immer wenn ein Spieler das schafft, bekommt er Siegpunkte in Form einer Gewinnkarte. Während bei der heißen Schlacht Leckereien vom Buffet Punkte einbrachten, gibt es bei Mahé Punkte für das Ablegen von (Schildkröten-)Eiern.
Die beiden Vorläufer Känguruh und Die heisse Schlacht am kalten Buffet haben sich in Details unterschieden. Das betrifft zum einen die Kartenverteilung der vorhandenen Werte (bei Känguruh war jede der Karten 1-7 je 3x vorhanden, bei Die heisse Schlacht am kalten Buffet gab es nur noch 20 Karten mit einer anderen Verteilung). Zum anderen war die höchste Karte (7) bei Die heisse Schlacht am kalten Buffet immer als letzte zu gewinnen.

Die neue Ausgabe Mahe orientiert sich etwas stärker an Die heisse Schlacht am kalten Buffet. Die 7 als höchster Wert ist jetzt als Feld direkt auf dem Spielplan. Es gibt 24 Karten, von denen nach dem Mischen vier Karten verdeckt zur Seite gelegt werden. Damit bleibt das Spiel bis zum Ende spannend, da keiner weiß, welche Karten (Punkte) in einer Partie überhaupt im Spiel sind. Zusätzlich gibt es noch eine Variante von Franz-Josef Schulte, die es erlaubt, bereits gewonnene Karten statt eines Würfels einzusetzen.

Spielbrett von Familienspiel Mahe - Foto von franjos

Alex Randolph ist ein „Altmeister“ der einfachen und spannenden Mechanismen. Welche Mechanismen sind tragend für den Spielspaß bei Mahe?
"Kernelement von Mahe und seinen Vorläufern ist einmal der originelle Würfelmechanismus. Es stehen drei Würfel zur Verfügung, die nacheinander genutzt werden dürfen. Ein Würfel bringt mich die geworfene Augenzahl nach vorne, bei zwei Würfeln wird die Augensumme verdoppelt und bei drei Würfel wird die Augensumme sogar verdreifacht. Der Haken ist, dass die Summe nicht größer als 7 werden darf. Sonst muss ich zurück zum Start. Damit ist quasi ein Can't Stop-Effekt im Spiel.

Das zweite wichtige Spielelement ist das Mitgetragenwerden. Lande ich mit meiner Spielfigur auf einem Feld, auf dem bereits eine Schildkröte eines Mitspielers steht, setze ich meine Schildkröte obendrauf. Im nächsten Zug des Mitspielers darf ich bestimmen, wie mein Mitspieler würfeln muss. Anschließend muss mich der Mitspieler mittragen. Kommt er dabei über das Eiablagefeld, bekommt nicht er die Eiablage-Karte sondern ich, weil ich oben sitze. Dieses Spielelement ist der Grund für die stapelbaren Figuren. Während einer Partie können schon einmal Stapel von 3 oder 4 Schildkröten entstehen."

Mahe wird sicher wieder ein Familienspiel sein. Welche Spielertypen und Altersgruppen werden den meisten Spaß mit Mahe haben?
"Mahe ist ein Familienspiel ab 7 Jahren, bei dem jeder Mitspieler altersunabhängig eine Chance auf den Sieg hat. Nach meinen Erfahrungen ist das Spiel für jedes Alter bestens geeignet. Nur Spieler, die Glückselemente in einem Spiel nicht mögen, würde ich als Zielgruppe aussschließen. Ansonsten können wagemutige und vorsichtige Spielertypen ihre Vorlieben ausleben. Durch das Mittragen ist aber auch ein sehr schönes interaktives Element im Spiel, das für viel Heiterkeit sorgt."

Das Spiel ist ein kleiner Klassiker. Wie kam es zu dieser Neuauflage?
"Die erste Anfrage an Alex Randolph habe ich schon im Juli 1987 gestellt, als der Verlag noch ganz neu war und es noch gar kein veröffentlichtes franjos-Spiel gab. Leider hatte er die Lizenz da gerade an die Firma International Team vergeben, die es dann als Generalowsky veröffentlicht hat. Eeine Ausgabe übrigens, mit der Alex Randolph nicht glücklich war.

Meine nächste Anfrage habe ich dann im April 1989 gestellt. Da hatte Alex Randolph die Lizenz aber gerade an Ravensburger vergeben. Erst der Kontakt zu Michel Matschoss hat dann zu dem Lizenzvertrag geführt, der mir die neue Ausgabe ermöglicht hat."

Du hast häufig große Autorennamen wie Sid Sackson oder Eric Solomon im Programm. Wie gelingt es dir immer wieder, als Kleinverlag Spiele dieser Erfinder ins Programm zu nehmen?
"Der Kontakt zu Autoren, die bereits mehrere Spiele veröffentlicht haben, gestaltet sich in der Regel sehr einfach. Vielleicht ist der Erstkontakt zu Alex Randolph im Jahre 1987 da ein gutes Beispiel.

Obwohl es meinen Verlag franjos da praktisch noch nicht gab und auch über das Internet Recherchen noch nicht möglich waren, hat Alex Randolph mir in seinem Brief mit der Absage für die Känguruh-Lizenz doch auch geschrieben, dass ich ihm nähere Infos zu meinem Verlag erzählen solle und er mir auf jeden Fall viel Glück wünsche. Gleichzeitig hat er mit zwei seiner anderen Spiele (Ali Baba und Prärie) zur Veröffentlichung angeboten.

Heute ist die Kontaktaufnahme einfacher geworden. So konnte ich bei dem Erstkontakt mit Günter Burkhardt (Autor von Glastonbury), der auch schon über 60 Spiele veröffentlich hat) auf meine Homepage verweisen, auf der natürlich viele Informationen zum Verlag zu finden sind. Aber auch seine Kontaktdaten habe ich über seine eigene Homepage im Internet gefunden.

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