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Jubiläum: 25 Jahre Elfenland

Elfenland Spielplan | Foto: Axel Bungart

Der moderne Klassiker ist heute noch herausragend

„Früher war mehr Lametta“, ist einer der bekannteren Aussprüche der Komiker-Legende Loriot, der 2023 100 Jahre alt geworden wäre. Transferiert auf die Spiele des Jahres könnte man sagen: Sie hatten früher eine andere – höhere – Qualität, zumindest was den Anspruch angeht. Blickt man nur ein Vierteljahrhundert zurück, stößt man auf Spiele von Autoren, die mit vergleichsweise anspruchsvollen Titeln mehrfach den Preis Spiel des Jahres verliehen bekamen.

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In den 1990er-Jahre waren es zum Beispiel Autoren wie Autoren Reiner Knizia, Wolfgang Kramer oder Klaus Teuber, die sich mit ihren Spielen unsterblich machten und heute fast als Legenden angesehen werden. Unter den Top 10 der Platzierungsliste des Spiel des Jahres standen 1998 je zwei Titel von Reiner Knizia und Reinhard Staupe und je eines von Wolfgang Kramer, Karl-Heinz Schmiel, Rudi Hoffmann, Stefan Dorra und Kris Burm. Klangvolle Namen aus dem Who-is-Who der Spieleszene. Ganz oben, und damit auf dem Spiel-des-Jahres-Thron, saß und stand 1998 Alan R. Moon mit Elfenland (Amigo Spiele).

Mit dem Sieben-Meilen-Stiefel durchs Land

Elfenland - Stiefel | Foto: Axel Bungart
Elfenland – Stiefel | Foto: Axel Bungart

Damit feiert Elfenland 2023 sein 25-jähriges Jubiläum, und sowohl Titel als auch Autor sind unvergessen. Elfenland (das im Original Elfenroads hieß und bereits 1992 bei Alan R. Moons Verlag White Wind erschien) war ein planerisches Reisespiel, bei dem man auf einer Landkarte möglichst viele Orte besuchen und dort Spielsteine einsammeln musste. Ermöglicht wurde das durch Handkarten und dazu passenden Plättchen, die die Spieler auslegen mussten, um ihre Gefährte und sonstigen Transportmittel über Berge, Wälder und Wiesen zu lenken. Nur mit Kombinationen von Karten und Plättchen konnte das Transportmittel die gewünschten Wege auch benutzen.

Elfenland - Spielszene | Foto: Axel Bungart
Elfenland – Spielszene | Foto: Axel Bungart

Es war kniffliger als es sich anhörte, die Karten auf der Hand mit den Plättchen auf dem Plan auf einen Nenner zu bringen, um damit eine optimale Strecke zu planen. Und da zudem alle zeitgleich und verdeckt ihre Route planten, jedoch anschließend der Reihe nach einzeln die gewünschten Wege reservierten, war es Teil des Spektakels, dass sich die Pläne der Spieler durchkreuzten. Sicher war das manchmal von Vorteil, aber häufiger noch wurde einem auf die Art ein Weg verbaut, noch bevor man ihn erreicht hatte. Dann war Improvisation gefragt. Welche Alternativroute stand noch offen oder bot sich sogar an, weil dort plötzlich Plättchen von Mitspielern lagen, mit denen man nicht gerechnet hatte?

Elfenland – ungewollte kooperativ

Elfenland - Spielkarten und Transportmittel | Foto: Axel Bungart
Elfenland – Spielkarten und Transportmittel | Foto: Axel Bungart

Diese Planung, Neuplanung und von Flüchen und Verzweiflung geprägte erneute Umplanung brauchte so ihre Zeit. Elfenland war kein schnelles Spiel. Es erforderte logistisches Geschick, Erfahrung aus einigen Partien und Akzeptanz für das Restrisiko des Unberechenbaren, um auf einen Schlag mehrere Steine einzusammeln. Und es war fesselnd. Ein Anspruch, den nur wenige Jahre später kein Spiel des Jahres mehr erfüllen sollte, weil die Jury andere Maßstäbe ansetzte.

Das Spiel ist für 2-6 Spieler geeignet und ist eigentlich kompetitiv. Doch gerade in größerer Besetzung entfaltet es seinen vollen Reiz und hat dann auch kooperative Effekte – wenngleich diese wohl eher zufällig auftreten und deswegen kaum aus Nächstenliebe entstehen.

25 Jahre erfolgreich und damit ein Klassiker

Elfenland wurde seit seinem erstmaligen Erscheinen noch ein paar Mal neu aufgelegt, unter anderem in einer Deluxe-Version, und ist auch 2023 noch erhältlich. Immer noch bei Amigo Spiele übrigens, dem Verlag, der eigentlich seinen Schwerpunkt beim Bereich der Kartenspiele hat. Beides ist bemerkenswert. Spiele, die ihren 25. Geburtstag aktiv erleben, haben das Potenzial und das Recht, als Klassiker bezeichnet zu werden und leben damit auf dem Niveau ihrer legendären Erfinder weiter. Dass ein Verlag die Lizenz dafür weiter in der Hand behält, bekräftigt die Qualität.

Elfenland - Transportmittel | Foto: Axel Bungart
Elfenland – Transportmittel | Foto: Axel Bungart

Wer Elfenland noch nicht gespielt hat, sollte es mal probieren. Das geht auch auf Boardgamearena in digitaler Version, aber empfehlen würde ich jedem das „echte“ Spiel, denn der von Doris Matthäus märchenhaft gezeichnete Spielplan und das Haptische mit dem schönen Material ist Teil des Spielerlebnisses. Und das lohnt sich.

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4 Kommentare

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Dirk Janßen 8. Dezember 2023 at 07:46

Befindet sich auch immer noch in meiner Sammlung. Müsste man bei Gelegenheit noch einmal auf den Tisch packen. Hat damals immer Laune gemacht, weil man sich so schön geärgert hat, wenn einem irgendwer den Plan versaut hat. Danke für die liebevolle Hommage…

Antwort
Riemi
Riemi 9. Dezember 2023 at 09:20

Wer hat es nicht in seiner Sammlung? Auch bei mir liegt es mit Erweiterung im Regal. Noch mal spielen? Bestimmt.

Antwort
Axel Bungart
Axel Bungart 9. Dezember 2023 at 12:25

Welche Erweiterung??

Antwort
Michael Weber
Michael Weber 11. Dezember 2023 at 21:32

U. a. Elfengold. Sollte alles in der Deluxe-Ausgabe enthalten sein. Davon ab: Elfenland ist ein wirklich sehr gut gereiftes Brettspiel.

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