Belfort

eine Spielerezension von Olaf Bormann - 02.07.2013
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Belfort von Pegasus Spiele

Beim Brettspiel Belfort von Pegasus Spiele geht es um Gebäudebau in einer mittelalterlichen Fantasiewelt. Der Hauptspielplan besteht aus fünf Teilen, auf welchen jeweils identisch die gleichen Gebäude aufgedruckt sind. Diese Teile ergeben zusammen gefügt unsere Stadt Belfort.

Jeder Spieler verfügt über drei Elfen und drei Zwerge zu Spielbeginn, sowie über fünf Taler und drei Gebäudekarten. Abwechselnd erfolgt das Einsetzen dieser Arbeiterfiguren, die in typischer Workerplacement-Manier die Wirkung von Gebäuden oder Feldern auslösen, Geld und Rohstoffe einsammeln, die Spielreihenfolge verändern und Kaufaktionen erlauben.

Die drei verschiedenen Rohstoffsorten bei Belfort dienen dem Gebäudebau, die ihrerseits die eigenen Einkünfte mehren sollen oder den Erwerb weiterer Zwerge, Elfen und Gnome verbilligen. Ein weiterer Effekt ist das Setzen eines Hauses der eigenen Farbe in eines der fünf Stadtteile mit dem Zweck, Punkte zu sammeln für Mehrheiten in den Wertungsrunden.

Klassischerweise ist das Mehren der eigenen Arbeiter eine gute Voraussetzung, in späteren Runden auch den eigenen Wirkungsgrad zu erhöhen. Die Felder hierfür, und auch an anderen wichtigen Stellen, sind bei Belfort natürlich limitiert, somit hat der Startspieler einen Vorteil, welcher nicht ausgeglichen wird. Derjenige Spieler, der zuletzt einsetzt, genießt die Chance, durch eine eigene Mehrheit an den Rohstoffplätzen einen Bonus zu ergattern; wer die meisten Arbeiter an einer Rohstoffquelle einsetzt, erhält einen mehr. Dies gelingt ihm zumeist nur an einer Stelle und gleicht den Startspielervorteil nicht aus. Sicher ist es möglich, bei belfort die Zugreihenfolge zu ändern. Das kostet den Auslösenden aber eine seiner Aktionen. Wenn das passiert, dann in der Regel, wenn der Letzte mit dem Ersten tauschen will. Der zweitplatzierte bleibt es sehr oft das ganze Spiel über. Sicher lässt sich das alles durch regelmäßiges Tauschen ausgleichen, aber es erfolgt dann unter dem Strich doch nur selten, da andere Aktionen wichtiger sind. An dieser Stelle halte ich das Spiel nicht für ausbalanciert.

Die Gebäude gibt es bei Belfort in Kartenform und werden bis zum Bau auf den Händen der Spieler gehalten. Durch Abgabe einer bestimmten Rohstoffkombination wird es ausgelegt und ist fortan wirksam. Hierbei ist eine schöne Vielfalt geboten, manche geben dauerhafte Effekte, andere benötigen dafür einmalig einen Gnom, wieder andere müssen jede Runde aufs neue mit einer Arbeiterfigur besetzt werden, usw. Eine zusätzliche Wirkung der Gebäude besteht darin, dass ihr Bau auf dem Hauptplan des Brettspiels in der jeweiligen Spielerfarbe verzeichnet wird und in drei der sieben Spielrunden zu Siegpunkten führt, wenn eine bestimmte Platzierung bei den Mehrheiten in den fünf Stadtteilen erreicht ist. Eine interessante Idee ist die bei sehr vielen Gebäuden mögliche Zusatzfunktion, wenn ein angeworbener Gnom dauerhaft dort eingesetzt ist, diese kosten natürlich wieder Geld und sind ebenfalls limitiert. Viele Gebäude funktionieren ohne Gnom überhaupt nicht.

Belfort hat eine schnell verinnerlichte Struktur: Arbeiter einsetzen, Gebäude aktivieren und Rohstoffe einsammeln, Gebäude bauen, Geld kassieren und je nach Siegpunkte Steuern zahlen. Die Grafik des Spiels ist gefällig, auch wenn sie eine Nuance zu viel ein Kinderspiel suggeriert, was Belfort sicher nicht ist. Mir gefällt Belfort, es hat allerdings zwei Schwachstellen, die ich nicht verhehlen will: Zum einen bietet es wenig Neues, es ist sicherlich ein gut durchdachtes Workerplacementspiel mit den nötigen Entscheidungsnotständen, um die Spannung hoch zu halten. Aber so oder so ähnlich gab es schon viel auf dem Markt und gibt es auch noch nach wie vor, somit hat es einen schweren Stand, wenn sich schon einige dieser Spiele im heimischen Schrank befinden ... Zum anderen ist Belfort richtig gut nur zu dritt spielbar. Bei zwei Spielern ist die Konkurrenz zu gering und bedarf einen zusätzlichen Aufwand zum Management der neutralen Spielerfarben. Zu viert und zu fünft ist der Zeitaufwand im letzten Drittel so hoch, dass die Wartezeit bis zum nächsten eigenen Zug zu Langeweile führt und dann trägt sich das Brettspiel nicht mehr, wenn alle nur noch das Ende herbei sehnen. Die gefühlte Spielzeit lag in allen Partien mit vier oder fünf Spielern deutlich höher, als die reale mit guten zwei Stunden. Sicherlich, wenn alle sehr zügig spielen, wäre das Aspekt zu kompensieren, aber diese Idealsituation wird doch oft nur selten erreicht. Wem das nicht stört oder eine Schnelldenkerrunde sein eigen nennt und an Aufbau- und Rohstoffmanagementspielen seine Freude hat, auch in der xten Version, kann beherzt zugreifen.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spielerzahl: 
2 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
13
Spieldauer (Minuten): 
90 - 120
Jahrgang: 
2013
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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