City Tycoon

eine Spielerezension von Olaf Bormann - 17.08.2013
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City Tycoon von Pegasus Spiele
Lesezeit: ca. 5 Minuten

City Tycoon ist ein Brettspiel von Pegasus Spiele zum Thema moderner Städtebau. An sich durch die vielen Fans des Computerspiels "Sim City" mit Potenzial versehen, gibt es doch erstaunlich wenige Brettspiele, die sich dem modernen Städtebau annehmen. Zumeist gern im Mittelalter oder der Antike angesiedelt, fällt mir spontan aus alten Zeiten das Boomtown von Abacusspiele und das Big City" von Goldsieber ein. Natürlich gibt es aktuell noch Suburbia von Lookout Spiele, mit dem sich City Tycoon messen lassen muss.

Es gibt bei diesem Spiel keinen festen Spielplan, die Stadt wird durch das Anlegen von Gebäudekärtchen wachsen. In vier Spielrunden erhält jeder Mitspieler jeweils sechs Gebäude. Um dabei keine Ungewichtungen aufkommen zu lassen, bedient sich City Tycoon dem mittlerweile gängigen "Draftsystem" - d. h., jeder Spieler wählt ein Gebäude für sich aus und gibt die verbliebenen an den linken Nachbarn. Das geschieht solange, bis jeder wieder sechs hat. An Gebäudearten gibt es die typische Einteilung an öffentlichen, gewerblichen und Wohngebäuden sowie Industrie.

In der nächsten Phase können diese Gebäude gebaut und somit ins Spiel gebracht werden. Hierfür ist ein Preis zu entrichten, welcher auf den Kärtchen verzeichnet ist und zwischen 2 und 22 Taler schwanken kann, wobei die Gebäude der ersten Runde den Wert von 10 kaum überschreiten. Diese müssen orthogonal an die bestehenden angelegt werden. Manche haben einen Soforteffekt, der meistens die Platzierung von See- oder Parkflächen bedeutet. Andere erwirken sofortige, zusätzliche Siegpunkte oder den Erwerb von gelben Rohstoffen. Alternativ zum Bauen kann ein Gebäude wirkungslos abgeworfen werden, dafür gibt es fünf Taler. Eine gern gewählte Aktion, wenn man sich mal wieder hoffnungslos verzettelt und verrechnet hat und zum weiteren Bau Geld benötigt. Als dritte Möglichkeit kann ein Gebäude abgeworfen und dafür ein Wasser- oder Energieerzeuger gekauft und platziert werden. Alle ins Spiel gebrachten Gebäude, Kraftwerke, oder Parkflächen werden mit Besitzmarkern versehen.

In der nächsten Phase können die eigenen Gebäude genutzt werden, sofern die nötigen Wasser- oder Energiewürfel zum entsprechenden Gebäude transportiert werden. Sind es eigene Würfel über eigene Wege, so fallen keine weiteren Kosten an - die Lieblingssituation jedes Spielers. Nicht selten ist es aber nicht zu vermeiden, die Ressourcen eines Nachbarn zu verwenden. Manchmal zahle ich auch gern an Nachbarn und nehme mir diverse Klötzchen. Das kann der Besitzer nicht verhindern, auch wenn er andere Pläne hatte. Die verwursteten blauen, roten und gelben Würfel erwirken Geld oder Siegpunkte. Die Gebäude geben immer zwei Möglichkeiten, wobei die öffentlichen in der Regel einen Bonus spenden, wenn das entsprechende Nachbargebäude aktiviert wird. Die Seen grenzen Zugänge ab, die Grünflächen verlängern Wege ohne direkten Nutzen, außer, wenn andere Spieler ihre Würfel darüber hinweg ziehen und somit zahlen müssen. Diese Phase endet, sobald niemand mehr sinnvoll eigene Gebäude, und das auch nur einmal pro Runde, bedienen kann.

In diesem Zyklus spielen alle viermal, wobei pro Runde Kosten und Effekte der Gebäude signifikant ansteigen. Alle bauen gemeinsam an einer Stadt, das gefällt mir gut bei City Tycoon. Es gibt so einige Möglichkeiten, den anderen Spielern das Leben schwer zu machen. Beliebtes Mittel hierfür ist die direkte Platzierung eines eigenen Gebäudes in die unmittelbare Nachbarschaft zu einem frisch vom Gegner erstellen Kraftwerk, um später dessen Ressourcen zu nutzen. Diese Pläne zu durchkreuzen, macht einen guten Teil der Spannung des Spiels aus. Die Nachbarschaft zu den öffentlichen Multiplikatoren der Mitspieler zu suchen, zählt ebenfalls dazu oder eben diese Zugänge mittels der Seen zu verbauen. Nur sollten das dann auch alle Spieler tun. Wenn zwei um die Energie konkurrieren und der oder die anderen Spieler bauen ihre eigene Ecke aus, werden sehr wahrscheinlich diese gewinnen.

City Tycoon ist ein Optimierungsspiel. Die Neigung, im eigenen Viertel kurze Wege für gute Geld- und Punkteerzeugung zu suchen, ist groß. Wenn das alle machen, dann ist es egal, was die anderen bauen. Ich schaue eh nur nach der eigenen Verflechtung und damit geht dem Spiel ein wichtiger Reiz verloren. Der Anreiz, in anderen Gebieten zu stänkern, hängt vom immer sehr knappen eigenen Geldvorrat ab, ein zusätzlicher Hemmschuh. Es ist natürlich oft von der Mentalität der Spielrunde abhängig, wie weit diese Möglichkeit intensiv genutzt wird, in den meisten meiner Partien frickelte dann doch jeder für sich ...

Die vielen Möglichkeiten stürzen Anfänger in das Problem der Unübersichtlichkeit, welches sich nach einigen Partien deutlich verkleinert. Allerdings wird in der dritten und vierten Runde immer viel Konzentration nötig sein, weil dann der Stadtausbau am stärksten ist und die farbigen Würfel auf den Gebäuden liegen bleiben. Das klärt zwar rasch die Frage, ob sie schon genutzt wurden, lässt aber auch gern so manches Kraftwerk mit seinen ungenutzten Würfeln darin untergehen. Im Spiel zu zweit hängt es natürlich völlig davon ab, dem anderen etwas wegzunehmen. Passiert es nicht, dann wird es dröge.

Im Vergleich dazu erschien mir Suburbia anspruchsvoller vom nötigen Gehirnschmalz. Aber in dem Spiel baut jeder für sich, es gibt nur geringe Interaktion, und wenn jemand den Anschluss verliert, ist es kaum aufzuholen. Die Richtung im Spiel, immer erst auf Geld und dann auf Punkte zu spielen, lässt leider keine Alternative zu. Somit haben beide Spiele zum Thema ihre Schwächen, funktionieren aber und werden von mir eingeschränkt empfohlen.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spielerzahl: 
2 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
60 - 120
Jahrgang: 
2013
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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