Isle Of Skye

Vom Häuptling zum König

eine Spielerezension von Michael Weber - 25.09.2015
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Legespiel Isle Of Skye - Foto von Lookout Spiele
Lesezeit: ca. 7 Minuten

Isle Of Skye – klar, Schottland. Die große Insel der inneren Hebriden. Das klingt nach Schottenrock, Whisky, alte Burgen und ein paar Schafen. So ist es auch fast. Hinzu kommen noch Rundtürme, Schiffe und Leuchttürme, Bauernhöfe sowie Rinder (Highland-Rinder!). Und so schlüpfen die Spieler bei diesem Plättchenlegespiel von Alexander Pfister und Andreas Pelikan in die Rolle eines Clanchefs. Aber lassen wir die Story, die ist eigentlich völlig unwichtig.

Vorab: das Fazit für die schnelle Leserschaft

Ziehen wir die Wertung vor. Das Legespiel Isle Of Skye wirkt sofort vertraut, weil es an – na klar – Carcassonne erinnert. Aber nur entfernt. Plättchen zu einer Landschaft auslegen, das macht Spaß. Also freuen sich die Spieler jede Runde wieder neu, dass sie ihr Reich erweitern. Dabei kommt ein Handelsmechanismus zum Tragen, der es wirklich in sich hat. Extrem schlank, extrem spannend und wirklich trickreich. Wer hier gut kalkuliert, kann viele Plättchen anlegen und so seine Siegpunktchancen deutlich steigern. So entsteht ein schnelles, schlankes und dynamisches sowie ein vertraut und doch innovativ wirkendes Gesellschaftsspiel, das typische Gelegenheitsspieler ebenso anspricht wie erfahrene Spieler. Für mich ein Top-Spiel in guter Ausstattung.

Worum geht es bei Isle Of Skye?

Noch mal langsam. Bei Isle Of Sky versucht jeder Spieler, ausgehend von seiner Bug Wiesen, Gewässer und Gebirge zu legen. Dabei kommt es darauf an, Plättchen mit Whiskyfässern über Wege mit der eigenen Burg zu verbinden, denn diese bringt mehr Einkommen. Außerdem schadet es nicht, begonnene Landschaften auch abzuschließen. Das bringt je nach Siegbedingungen (s. u.) mehr Punkte. Das erinnert zunächst deutlich an Carcassonne, hat aber einen wesentlichen Unterschied beim Auslegen. Wege dürfen einfach im Nirgendwo enden. Das macht den Plättchenbau bedingt einfacher.

Doch eigentlich kommt es noch auf eine zweite Dimension an: die genannten aufgedruckten Extras. Denn diese geben vielleicht schon in den Rundenwertungen (s. u.), sonst mit Glück am Spielende satt Extrapunkte. Wer hier das Glück hat, Plättchen in seinem Reich zu haben, die ein Siegel für die Punktewertung am Ende enthalten, kann das aufgedruckte Extra (Schafe, Rinder, Bauernhöfe, Whiskyfässer, Leichttürme, Schiffe, Rundtürme) am Spielende für sich werten. Doch …:

Wie wird Isle Of Skye gespielt?

Ganz einfach. Fast jedenfalls. Während das Plättchenlegen noch handlich und vertraut ist, ist der Kaufmechanismus spannend und für ungeübte Spieler etwas schwerer zu durchschauen. Jeder Spieler zieht nach Einkommensermittlung dazu drei Plättchen. Zwei davon bepreist er, indem er sein eigenes Geld als verlangten Preis zu diesem Plättchen auslegt. Da die Schotten selbst beim Angebot knausern, muss einem Plättchen ein Abrissmarker zugeteilt werden. Dieses wird vor dem Kaufen aus der Auslage wieder entfernt. Jetzt kommt der erste Clou: Preise und Abrissplättchen werden für die anderen Spieler zunächst verdeckt zugeordnet. Während also idealerweise alle auf ein möglichst lukratives Plättchen lauern, wissen sie nicht, ob es dieses später wirklich zu kaufen gibt und - wenn - zu welchem Preis.

Haben das alle Spieler erledigt, folgt also das große Erwachen. Und der zweite Clou. Denn nun kann reihum jeder Spieler insgesamt ein Plättchen kaufen. Dazu muss er aber noch Geld übrig haben, um den damit verbundenen Geldbetrag zu bezahlen. Hier wird deutlich, wie vorsichtig die Bepreisung der eigenen Plättchen erfolgen muss. Denn wer seine Plättchen teuer anbietet, muss dafür das Geld aufwenden, das er dann später gern zum Bezahlen hätte. Eine verzwickte Entscheidung. Ist der Preis des Wunschplättchens bezahlbar, erhält der Verkäufer aber nicht nur dieses Geld, sondern auch sein eigenes zurück, das als Preis am Plättchen ausliegt zurück. Jetzt ahnt man es schon: Plättchen, die nicht verkauft werden, darf jeder Spieler selbst verbauen, allerdings wandert das Geld dafür in den Orkus. So steigern sich Preise für Plättchen, die ein Spieler unbedingt selbst behalten möchte oder ein anderer Spieler vermutlich unbedingt kaufen wird, in astronomische Höhen, nur damit keiner zahlen oder davon profitieren kann. Das wird entweder zur Gelddruckmaschine oder zu einer Art Selbstverarmung oder zum riesigen Ärgernis. Ein fantastischer Mechanismus mit reichlich Ärgerpotenzial!

So oder so: Am Ende hat jeder Spieler aus der Kaufphase maximal drei Plättchen zum Anlegen. Läuft es schlecht, war nicht genug Geld zum Kaufen eines Plättchens da und die beiden verbliebenen eigenen Plättchen wurden weggekauft. Das bringt Geld, aber eben keine Punktechance und Erweiterung des eigenen Reichs. Läuft es gut, kauft man ein attraktives Plättchen und behält vielleicht die beiden eigenen. Im Spiel zu zweit erhält jeder Spieler übrigens mindestens ein eigenes Plättchen, weil ja nur eins weggekauft werden kann. Dadurch ist das Spiel deutlich schneller, etwas planbarer, aber im Vergleich etwas weniger spannend.

Wozu das alles? Die Wertung von Isle Of Skye

Jetzt ist noch die Frage: Wozu dienen die Plättchen denn noch so: Logisch, am Spielende gibt es die Wertung der eigenen Errungenschaften, sofern ein Plättchen mit Wertungssiegel eingebaut wurde. Also beispielsweise gibt es für ein Rindersiegel jeweils einen Punkt für jedes Rindvieh im eigenen Reich oder für ein Leuchtturmsiegel jeweils einen Punkt pro Leuchtturm im eigenen Reich - wenn der Spieler so ein Siegel hat! Entsprechend wichtig sind diese Plättchen. Sollte übrigens das Gebiet mit dem Siegel abgeschlossen sein, wird diese Punktzahl sogar verdoppelt. Ein Plus für Landschaftsbaufanatiker.

Während des Spiels gibt es aber ebenfalls bereits satt Punkte. Dazu werden vor jedem Spiel vier von insgesamt 16 Wertungsplättchen zufällig bestimmt. Alle werden dreimal pro Partei gewertet, aber in unterschiedlicher Kombination in den fünf (fünf Spieler) bzw. sechs Runden (weniger als fünf Spieler). Entsprechend hat jede Spielrunde einen ganz eigenen Charme, denn je nachdem, was zu werten ist, versuchen die Spieler ihre Landschaften zu optimieren.

Die Wertungen sind sehr verschieden. Mal gibt es Siegpunkte für die bekannten Motive auf den Plättchen, mal für fertige Landschaften und mal für bestimmte Bauweisen (viele Vierer-Quadrate, vertikale Ausdehnung …). Durch die immer neuen Siegbedingungen erhält das eigentlich recht überschaubare Motivelegen von Isle Of Skye jede Partie neuen Schwung.

Noch ein Hinweis: Geld bekommen die Spieler pro Burg und für über Wege daran angeschlossene Whiskyfässer sowie durch den Abverkauf von Plättchen. Aber im Laufe der Partie gibt es auch immer mehr Geld für jeden Spieler, der vor ihnen auf der Wertungsleiste steht. Das kann zu bis zu zwölf Goldmünzen Extraeinnahmen in der letzten Runde führen. Die Idee: Die Siegpunktschere einfangen, indem die hinten liegenden Spieler Ressourcen bekommen, um gute Plättchen zu kaufen.

Noch einmal: Wie ist das Legespiel Isle Of Skye?

Isle Of Skye hat mich wirklich gepackt. Es ist ein relativ schnelles Spiel, das bei Erklärung des Ablaufs sehr einsteigerfreundlich ist, dennoch taktische Schachzüge erlaubt und einen gewissen Zufalls- sowie einen Ärgerfaktor enthält. Ich möchte behaupten, dass diese ausgewogene Mischung aus Planung, Ärgern und Glück selten so gut in einem Spiel harmonierte und ganz nebenbei sogar strategische Chancen zumindest vorgaukelt. Daher kommt bei Isle Of Skye eine sehr breite Spielergruppe auf ihre Spaßkosten, auch wenn für richtige Anfänger das Erfassen der Auswirkungen einzelner Stellschrauben zunächst nicht ganz leicht ist.

Die beiden Autoren haben schlanke Teilmechanismen wunderbar zu einer Einheit zusammengefügt, dabei alte und neue Mechanismen so kombiniert, dass ein spannendes Legespielvergnügen entsteht. Das Material und die redaktionelle Ausarbeitung sind zudem hervorragend. Einen Kritikpunkt muss sich aber Illustrator Klemens Franz anhören: Die Schafe sind an einigen Stellen (z. B.- im Gebirge) nicht so leicht zu erkennen. Und immer dann, wenn bereits abgeschlossene Gebiete mit auf den Plättchen sind, lassen sich Gebietsgrenzen an den Ecken schlecht erkennen. Aber sonst ist Isle of Skye auch in puncto Illustration wunderbar gelungen.

Der Spieleherbst 2015 ist noch extrem jung, aber hier hat Lookout Spiele ein Gesellschaftsspiel veröffentlicht, an dem sich die Konkurrenz messen lassen muss. Und ich sage eindeutig: Es wird schwer. Denn Isle Of Skye ist zumindest ganz nahe an so etwas wie dem perfekten Legespiel. Gut, dass es nicht in jedes Spielegenre passt.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2-5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
60
Jahrgang: 
2015
Spielkategorisierung
Auszeichnungen: 
Spielethema: 
Spielegattung: 
Fotos
Isle Of Skye - ein Königreich entsteht - Foto von Reich der Spiele
Isle Of Skye - Sichtschirm und Siegpunktezähler - Foto von Reich der Spiele
Isle Of Skye - Wertungsplättchen und Siegpunkteleiste - Foto von Reich der Spiele
Isle Of Skye - weitere Plättchen - Foto von Reich der Spiele
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