Scotland Yard – Mitbringspiel

Die Jagd nach Mister X

eine Spielerezension von Michael Weber - 23.07.2014
  Spiel kaufen kommentieren
Scotland Yard – Mitbringspiel - Foto von Ravensburger
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Scotland Yard ist ein moderner Klassiker der Gesellschaftsspiele und das zurecht. Es dauerte immerhin bis 2014, ehe ein Mitbringspiel zu diesem Detektivspiel erscheint. Vor dem Hintergrund des großen Londonplans der Originalausgabe mit den vielen Linienverbindungen stellt sich die Frage: Kann das überhaupt funktionieren?

Das Material von Scotland Yard – Mitbringspiel

Es kann, aber nur sehr bedingt. Das vorweg. Zunächst einmal das Material: Es gibt zwölf Taxi-Tickets, acht Bus-Tickets und vier Underground-Tickets. Außerdem sind vier Black-Tickets dabei sowie vier Spielfiguren, die Anleitung und der Spielplan. Dieser ist aus vier Elementen zusammenzupuzzeln. Großer Kritikpunkt: Bei aller Liebe, möglichst nah am Originalplan zu landen ... Dieser Plan ist äußerst unübersichtlich und für die Augen fast schon eine Zumutung. Dennoch funktioniert er besser als gedacht, denn die Spielregeln ändern sich.

So wird Scotland Yard – Mitbringspiel gespielt

Wie beim Original (ebenfalls von Ravensburger) versucht Mister X vor den – in diesem Fall nur drei – Detektiven zu fliehen und dabei mit Taxis, Bussen, U-Bahnen und – für ihn nur wenige Male möglich – per Fähre ein paar Ecken weiterzukommen. Die Detektive ihrerseits haben die vorhandenen Tickets zur Auswahl und müssen auf das gleiche Feld wie Mister X kommen. Hier ist Planung fast noch wichtiger als beim Original Scotland Yard, denn auch hier müssen die Tickets an Mister X abgegeben werden, es sind aber verdammt wenige. Anders als im Original ändert sich jedoch die Bewegung von Mister X. Denn dieser zeigt sich nicht alle paar Schritte und bleibt sonst im Geheimen, sondern zieht seine Figur sichtbar auf dem Brett. Also genau anders herum als bei Scotland Yard gewohnt. Nur mit einem Black Ticket darf er einen Schritt untertauchen (und 3 Minuspunkte kassieren), ehe er im folgenden Zug wieder auftaucht.

Das Spiel endet, wenn Mister X gefangen wird, die Spieler keine Tickets mehr haben oder sie aufgeben (und damit alle Tickets an Mister X gehen). Für die Tickets, die Mister X erhalten hat, bekommt er Punkte in Höhe der aufaddierten Summe aller darauf vermerkten Fahrpreise. Wenn jeder Spieler einmal Mister X war, gewinnt der Spieler mit den meisten Punkten.

Wie gut ist das Mitbringspiel Scotland Yard?

Ich war äußerst skeptisch, ob diese Regeländerungen funktionieren und die Atmosphäre von Scotland Yard versprühen können. Ich bin weiter hin- und hergerissen. Denn aus dem Deduktionsspiel wird ein taktisches Laufspiel, bei dem es auf gute Planung ankommt und auf Absprache der Detektive. Das ist mäßig spannend, auf dem zu kleinen Spielplan mit Kindern oder im Urlaub aber durchaus unterhaltsam genug, um das Brettspiel im Miniformat zu kaufen. Im Zweifelsfall ziehe ich jedoch klar den Klassiker vor, der einen etwas anderen und für mich spannenderen Ansatz verfolgt. Denn die Jagd nach Mister X zieht ihren Reiz eben daraus, dass dessen Fluchtweg nicht offensichtlich ist. So ist das Mitbringspiel zu Scotland Yard ein Kompromiss, der seine Berechtigung hat, aber an das Original um Längen nicht herankommt.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8-
Spieldauer (Minuten): 
10-20
Jahrgang: 
2014
Spielkategorisierung
Mehr zum Spiel