Yokohama

eine Spielerezension von Jörn Frenzel - 04.02.2018
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Spielszene bei Yokohama - Foto von Jörn Frenzel
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Was verbindet Istanbul mit Yokohama? Beides sind Großstädte und beides sind ähnliche Spiele mit ähnlichen Spielarten. Wobei wie im Alltäglichen in Yokohama alles etwas größer ist und so ist es auch im Brettspiel von Hisashi Hayashi (dlp Games). Alles hat eine gewisse Ähnlichkeit, aber alles ist auch etwas größer und natürlich komplexer als beim "kleinen" Istanbul, das ja eher auf dem Spielemarkt war. Der Spielmechanismus ähnelt sich schon etwas, aber in Yokohama ist viel mehr reingepackt worden. Wir versuchen, Auftäge zu erfüllen, Geschäfte und Warenhäuser zu bauen, Technologien zu entwickeln, um am Ende auf der Ruhmespunktleiste ganz oben zu stehen. Dieses "ganz oben", ist auf dem großen Spielplan schon beeindruckend, denn man braucht viel Platz, um den Plan vollständig auszulegen. Darunter leidet etwas die Übersichtlichkeit, tut aber nach ein paar Zügen dem Spielspaß keinen Abbruch. Denn worum geht es?

Das Spielprinzip von Yokohama

Letztendlich setzen wir drei oder zwei unserer Assistenten auf die Gebietspläne, bewegen unseren Präsidenten und führen die abgebildete Aktion aus. Das klingt jetzt nicht sonderlich innovativ, aber natürlich gibt es noch eine Menge Feinheiten dazu. Setzen wir unsere Assistenten auf ein Gebiet, den ein gegnerischer Präsidenten besetzt, kostet das ein Geld. Davon hat man oft zu wenig, einfacherhalber ist es der Yen. Nach dem Einsetzen können wir unseren Präsidenten zurückholen, selbst einsetzen oder, das am häufigsten verwendete, einfach durch unsere Assistenten bis zu drei Felder weit bewegen. Auf dem Feld, auf dem er endet, können wir die abgebildete Aktion ausführen. Wobei zwei Präsidenten bei Yokohama nicht auf einem Feld stehen dürfen.

Das wäre jetzt immer noch nichts Neues, aber die Aktion richtet sich nach unserer Stärke. Die setzt sich wiederum aus der Anzahl der Assistenten, dem Präsidenten und unseren gebauten Häusern auf dem Gebietsplan zusammen. Von den Häusern und Assistenten besitzen wir am Anfang nur eine begrenzte Anzahl und Häuser kosten knappes Geld. Diesen Nachschub von unserem Tableau zu holen, finden wir als Möglichkeit auf einigen Gebietstablaeus. Ebenso wie Siegpunkte. Sollte wir da sogar mit fünf Stärkepunkten auftauchen, gibt es noch zusätliche Bonusplättchen für den ersten Spieler, der das erreicht. Dazu muss man aber erst mal Assistenten auf dem Gebiet ansammmeln und die werden leider nach der genutzten Aktion wieder vom jeweiligen Tableau in den Vorrat genommen. Ab vier Stärkepunkten ist es uns aber immer noch erlaubt ein Gebäude (Geschäft oder Handelshaus) zu bauen. Davon besitzen wir beim Brettspiel Yokohama eben nur zwei am Anfang, der Rest kostet Yen und liegt auf unserem persönlichen Tableau. Am leichtesten bekommen wir die auf einem Gebietsplättchen - der Bank!

Zusatzaktionen erlauben uns bei Yokohama sowohl vor unserem Zug als danach noch weitere Aktionen. Da kann man  bestimmte Errungenschaften erlangen, dort für Siegpunkte Assistenten abstellen oder Auslandsvertreter nutzen. Diese ermöglichen uns dann einen weiteren Zug auf einem Gebietsplättchen, ohne auf die Präsidenten der Mitspieler achten zu müssen. Nur ein Doppelzug auf unserem Präsidentenfeld ist nicht möglich. Diese Auslandsvertreter bekommen wir übrigens bei der dritten Zusatzaktion - Aufträge erfüllen. Diese wiederum geben dem Spiel eine gewisse andere Würze. Denn Aufträge bekommen wir im Dock oder im Hafen. Für diese Aufträge sammeln wir eben die Waren die wir im Teelager, der Seidenspinnerei, dem Fischgebiet oder der Kupfermine finden. Und im Laboratorium und dem Forschungszentrum finden wir Technologiekarten, die uns Vorteile einbringen. Sowohl diese Technologiekarten und die Aufträge weisen Ländersymbole der Auslandsvertreter auf. Haben wir davon ein Pärchen, gibt es diesen für uns einfach dazu. Aber auch die sind begrenzt.

Überall gibt es dabei Siegpunkte zu verteilen, und dabei spielt die Kirche und auch das Importlager eine tragende Rolle. Denn hier sammelt man einfach nur Glaubenspunkte oder Importwaren und bestzt die Tableaus mit seinen Assistenten. Hat bei bestimmter Spieleranzahl die Kirche oder das Importlager eine bestimmte Menge an Assistenten aufgenommen, endet das Spiel. Oder aber ein Mitspieler hat alle seine Geschäfte oder Handelshäuser gebaut. Als letzte Variante gibt es dann noch, das es nicht mehr möglich ist Auftragskarten aufzufüllen, da diese aufgebraucht sind.

Der Spielspaß bei Yokohama

So viele Siegbedingungen weisen schon darauf hin, auf was man alles achten muss und was alles in dem Spiel steckt. Yokohma ist jedoch nicht unbedingt ein schnelles Spiel. Denn zu viert kann das Spiel mit Grüblern schon mal drei Stunden dauern. Zu dritt läuft es richtig rund und ehrlich: Mir hat es zu zweit am meisten Spaß gemacht. Hier fühlt man sich gut unterhalten und hat das Spiel locker in 90 Minuten "geschafft". Aber: Es kommt auf die Mitspieler an. Mit lockeren und schnellen Mitspielern, wird man hier gut unterhalten, mit verbissenen Grüblern kann es zur Qual werden.

Die Grafiken hätten klarer sein können, denn ein bisschen leidet das Spiel für Neulinge unter der Unübersichtlichkeit. Wenn alle Yokohama schon kennen, verläuft es deutlich schneller. Es ist eben ein Vielspielerspiel und selbst in meinem Kreis gab es einige, die es nicht als unbedingt erste Wahl nehmen würden. Aber solange nur drei Spieler mitspielen, würde ich immer wieder auf die Reise nach Yokohama gehen. Bei höherer Anzahl würde ich jedoch immer nach Istanbul reisen;). Das ist im Vergleich ähnlich, jedoch nicht ganz so überladen und einfacher zu erklären.

Bei Yokohama vergisst man manchmal ein kleines Regeldetail und braucht echt eine Weile, ehe es so richtig ins Blut geht. Die Regeln sind wenig eingängig und wollen erspielt werden. Also wer ein komplexes, gutes Zweimannspiel sucht, wird hier fündig und wer nicht nur mit Grüblern spielt auch. Yokohama ist im Grunde nicht wirklich schwer, nur hat man das Gefühl hier mussten so viele Details rein, dass es anfangs sperrig wirkt.

Besonders gut gefallen hat mir der Mechanismus mit den Assistenten. Diese als Stärkepunkte zu nutzen, ist schon interessant. Daraus lässt sich garantiert noch mehr machen und dann vielleicht nicht gleich mit so langer Downtownzeit. Also, nehmt euch Zeit, um Yokohama zu erkunden, aber eher nicht in Vollbesetzung.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
14
Spieldauer (Minuten): 
120
Jahrgang: 
2017
Spielkategorisierung
Fotos
Aufbau bei Yokohama - Foto von Jörn Frenzel
Material bei Yokohama - Foto von Jörn Frenzel
Tableau bei Yokohama - Foto von Jörn Frenzel
Yokohama - Spieleschachtel - Foto von dlp Games
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