Aventurien, die Welt von Das Schwarze Auge?

Ein System vorgestellt ohne Regeln zu beachten

ein Spiele-Artikel von Michael Weber - 28.08.2004
Das Schwarze Auge von Fantasy Productions
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Man stelle sich ein mittelalterliche Welt vor. Feudale Herrschaftsstrukturen kennzeichnen die politische Landschaft. Baronien und Herzogtümer existierten unter dem Banner eines Kaiserreiches, angrenzende Reiche sorgen für Zündstoff. Die sehr detailliert entwickelte Welt lehnt sich der des alten Europas an. Die Thorwaler sind eigentlich Wikinger, Novadis sind eigentlich Beduinen. Mittelmeerstaaten und Osteuropa stehen ebenso Pate wie Schwarzafrika und Eskimos. Dazu packt man ein paar Elfen und Zwerge, die obligatorischen Orks, etwas Getier und schon lebt die Welt. Nennen wir sie Aventurien.

Echte Rittersleute und Gaukler gibt es ebenso wie Zauberkundige, die auf richtigen Akademien ihr Wissen lernen. Über allen wachen die Zwölfgötter und ihre Geweihten. Widersacher wie der Namenlose Gott sorgen für Herausforderung. Eine zutiefst magische und spirituelle Welt, die so manchen Abenteurer oder gar Helden geboren hat. Das ist auch kein Wunder, denn Abseits der Städte wartet die Wildnis mit ihren Gefahren.

Man spielt einen dieser Helden und versucht sich durchs Leben zu schlagen. Gut, wenn man weiß, wie mit Schwert oder Zauberstab umzugehen ist. Besser, wenn man weiß, im richtigen Moment die Beine in die Hand zu nehmen. Und ohne Fertigkeiten und Menschenverstand, der auch schon mal Elfen- oder Zwergenverstand heißen darf, geht gar nichts.

Ein Meister wacht über die zu erlebenden Abenteuer und lenkt die Heldengruppe durch die Geschehnisse der Welt. Doch die Spieler müssen sich ständig beweisen und lassen ihre Helden mitunter ein sehr eigenwilliges Vorgehen an den Tag legen.

Ohne Regelkenntnisse kommt man in Aventurien nicht weit. Und die sind als Baukastensystem vorgegeben. Wer das eine nicht benötigt, kann eben mit dem anderen auskommen. Dennoch sind die Regeln inzwischen so umfangreich wie die Welt detailliert ist. Aber das nehmen echte Helden gerne in Kauf, denn der Spaß steht in Aventurien an oberster Stelle. Witzige Anspielungen gehören zum Alltag einer Spielrunde.

Vielleicht ist es das, was Aventurien ausmacht. Rollenspiel und Spaß, ohne dabei den Ernst der Situation zu vernachlässigen. Seit Anfang der Achtziger Jahre zieht das System Spieler in den Bann. Und die Welt ist mit den Spielern gewachsen. Es gibt kaum noch weiße Flecken auf der Landkarte. Deshalb werden auch Abenteuer immer herausfordernder. Und sie sind in den letzten Jahren sehr viel komplexer und atmosphärischer geworden. Übrigens: Wie kaum ein anderes System lebt Das Schwarze Auge von der Vielzahl der Veröffentlichungen von vorgefertigten Abenteuer. Und die lassen sich mit wenigen Würfeln und viel Grips meistens gut lösen, ohne dabei einfach zu sein. Wer also mal dem Kaiser persönlich begegnen möchte, einen Basilisken töten, einen wüsten Zauber sprechen oder einfach nur den Raubmord an einen Geweihten der Götter aufklären möchte, ist in Aventurien gut aufgehoben. Einer Welt, in der man immer wieder etwas entdecken kann, obwohl die Historie und das Land bereits sehr ausgefeilt sind.

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