Das 20. Jahrhundert

Preview zum neuen Spiel von CGE

ein Spiele-Artikel von Bernhard Zaugg - 12.10.2010
Das 20. Jahrhundert von
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Klar, dass der Test eines Spieleprototypen noch keine endgültigen Schlussfolgerungen erlaubt. Dennoch kann schon vor der effektiven Publikation des Spiels die Vermutung gewagt werden, dass das Werk auf großen Anklang stossen wird. Immerhin stammt es aus der Spieleschmiede von Vladimír Suchý, dem Schöpfer von Sechsstädtebund und Die Werft, die bereits für ziemlich viel Furore gesorgt haben. Und die Chancen stehen nicht schlecht, dass dies auch bei seinem neusten Wurf der Fall sein wird.

Ziel des Spiels ist die Urbarmachung und Entwicklung von Land. Dazu werden Landschafts- und Infrastrukturplättchen erworben, um daraus funktionierende, möglichst ertragreiche Volkswirtschaften zu bilden. Wird dabei allerdings allzu forsch vorgegangen, droht eine Mülllawine den Fortschritt gleich wieder zunichte zu machen. Besser könnte daher ein schrittweises Vorgehen sein, was aber angesichts der drängenden Konkurrenz einfacher gesagt als getan ist.

Im Zentrum des Spielablaufs steht der überaus vielschichtige Mechanismus zum Erwerb der einzelnen Landschafts- und Infrastrukturplättchen. Erstere sind zu ersteigern, während letztere zu laufend sinkenden Preisen gekauft werden können. Auffallend ist dabei die gegenseitige Verknüpfung der Aktionen: Wer in einer Versteigerungsrunde definitiv aussteigt, verzichtet auf die Chance, allenfalls noch weitere Landschaften ersteigern zu können. Dafür kann er nun vor allen anderen ein passendes Infrastrukturplättchen aussuchen, das individuelle Vorteile verschafft beim Ausbau der eigenen Infrastruktur.

Wer dagegen länger bei den Versteigerungen bliebt, kann allenfalls mehrere Landschaften ergattern, muss jedoch zusehen, wie die Konkurrenz nach ihrem allfälligen Ausstieg laufend die interessantesten Infrastrukturplättchen abserviert. Diese werden zwar immer billiger. Hingegen ist der Erwerb zusätzlicher Landschaftsplättchen mit einer steigenden Anzahl Abfallmarker verbunden, die auf den hinzugekauften Landschaften platziert werden und von dort mühsam wieder weggeschafft werden sollten. Die dazu benötigten Recycling und allenfalls Transporteinrichtungen sind auf einzelnen Plättchen abgebildet, was allerdings das Interesse anderer Spieler und damit die Gebote in der anschließenden Versteigerung in ungeahnte Höhen treiben kann. Wer daher sorgfältiger ausbaut und wenig Müll produziert, hat regelmäßig kleinere Entsorgungsprobleme und -kosten, kann im Gegenzug aber auch die Entwicklung seiner Volkswirtschaft weniger flott vorantreiben als Gegner, die ihren Ausbau skrupellos und ohne Rücksicht auf mögliche Konsequenzen für die Umwelt forcieren.

Hier die richtige Dosierung zu finden, ist alles andere als einfach, aber entscheidend für den Ausgang des Spiels. Zuletzt gibt es nämlich noch zusätzliche Sieg- oder Strafpunkte für Landschaftsplättchen mit oder ohne Abfallmarker, für den Stand der ökologischen Gesamtlage der einzelnen Volkswirtschaften sowie für Restguthaben an Geld und Wissenschaft. Kaum abzuschätzen daher, wer zuletzt obenaus schwingen wird, was für Spannung sorgt bis zum letzten Wertungsvorgang.

Der Spieletest hat große Lust geweckt auf noch viel mehr. Diverses gilt es beim nächsten Mal zu verbessern oder anderes auszuprobieren. Allerdings kann im Spiel nicht alles geplant werden, hängt doch vieles ab von der jeweiligen Auslage der zu erwerbenden Landschafts- und Infrastrukturplättchen. Durch den trickreichen Versteigerungsmechanismus hat aber jeder Spieler die Mittel selber in die Hand, die entscheidenden Weichenstellungen zu seinen Gunsten vornehmen zu können. Wir können es jedenfalls kaum erwarten, bei nächster Gelegenheit eine Revanchepartie mit der fertigen Ausgabe des tollen Spiels in Angriff nehmen zu können!

Das 20. Jahrhundert von Vladimír Suchý, 3-5 Spieler ab 12 Jahren, 75-120 Minuten, Czech Games Edition.