Hanno Girke über zehn Jahre Lookout Games

Von Bohnenerweiterungen über Bauernspiele zum weltweitem Spielenetzwerk

ein Spiele-Artikel von Michael Weber - 15.12.2010
Hanno Girke von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Hanno, zehn Jahre Lookout Games. Wie bist du damals vom Spielefan zum Verleger geworden? Hat der Verlagsname eine Bedeutung bzw. einen „Anlass“?
„Begonnen hat alles eigentlich mit Bohnanza, Uwe Rosenbergs berüchtigtem Bohnenspiel, das mehr oder minder zeitgleich mit Die Siedler von Catan den Trend zu Erweiterungssets neu angefacht hat. Erst kamen zu beiden Spielen die Seefahrer-Erweiterungen heraus, dann preschte Kosmos vor und veröffentlichte ein Städte&Ritter-Set. In diese Richtung hatte sich Uwe noch keine Gedanken gemacht, aber ich, und so entstand High Bohn, die Städte&Cowboys-Erweiterung zu Bohnanza. AMIGO wollte das damals erst einmal nicht selbst veröffentlichen, sondern gaben Uwe und mir eine Lizenz, das Spiel in limitierter Auflage zu veröffentlichen – mit der Option, es später ins eigene Programm zu hieven.
Dafür musste ich halt einen Verlag gründen, und weil mir vom Baseball-Team der Chattanooga Lookouts das Logo mit den Augen, die aus den OO herausschauten, so gut gefiel, habe ich diese Assoziation entlehnt.“

Bist du alleiniger Inhaber des Verlages? Wie viele Mitarbeiter oder Kooperationspartner hattest du anfangs? Wie viele heute?
„Lookout Games hatte von Beginn an die Rechtsform ‚Einzelunternehmen’. In den ersten Jahren haben wir allerdings vieles zu dritt gemacht: Uwe Rosenberg hauptsächlich im Bereich Spieleentwicklung, Marcel-André Casasola-Merkle im Bereich Graphik und ich für alles hinter den Kulissen.
Heute sieht es etwas anders aus. Wir haben ein richtiges Büro mit zwei Halbtagskräften, einen ausgelagerten Vertrieb und viele verschiedene Spieleautoren. Und einen tollen Graphiker, der zwar auch für andere Verlage arbeitet, aber dem heutigen Lookout den Anstrich verpasst hat.
Uwe ist nach wie vor ebenso unser Hausautor – er veröffentlicht zwar auch bei anderen Verlagen, aber bei manchen Entwicklungen hat er sicherlich ‚das wird ein Spiel für Lookout’ im Hinterkopf.“

Seit den Anfängen hat sich ja einiges verändert. Welche Spiele waren für dich wichtige Zwischenstufen und warum? Wie viele sind es insgesamt?
„Unser erstes ‚Fremdspiel’: Schuss und Tor von Rudi Hoffmann. Ein Spiel, das nach wie vor zu meinen Lieblingsspielen aller Zeiten gehört, und ich bin froh, dass wir eine weitere Generation damit angesteckt haben.
Dann unser erstes BrettspielDas Zepter von Zavandor – war ein riesiger Schritt für uns. Und der 9. Platz beim Deutschen Spielepreis eine Ermunterung, weiterzumachen.
Natürlich muss auch Agricola hier erwähnt werden: Danach musste der Verlag vom Hobby zum richtigen Beruf gemacht werden. Auszeichnungen in aller Herren Länder und mehr Sprachversionen, als an meinen Fingern abzählen kann. Insgesamt? 43, glaube ich.“

Was, würdest du sagen, ist heute der größte Unterschied zu den Anfängen des Verlages?
„Das Anspruchsdenken – und die Möglichkeiten. Vor zehn Jahren sahen Spiele von Kleinverlagen auch noch danach aus. Heutzutage ist alles so hochprofessionell, dass jemand, dem die Marken nichts sagen, schwer entscheiden kann, ob ein Spiel jetzt aus einem Einmann-Verlag oder aus einem internationalen Konzern kommt.“

Welche Bedeutung haben Kooperationen mit ausländischen Verlagen wie Z-Man Games und welche die mit dem Großhändler/Vertrieb Heidelberger Spielerverlag?
„Ohne geht es gar nicht. Um einen erträglichen Preis halten zu können, muss die Auflage eine gewisse Höhe erreichen, und die bekommt man oft nur, wenn das Spiel gleichzeitig auf Englisch erscheint. Und auch die Großhändler sind sehr wichtig, damit die Spiele bei den Kunden ankommen, die es nicht zu den Messen schaffen. Das ‚Flagship-Konzept’ der Heidelberger finde ich eine sehr interessante Entwicklung, um mehr Fachgeschäfte bzw. ein flächendeckendes Netz zu erreichen.“

Würdest du aus heutiger Sicht noch einmal einen Spieleverlag gründen? Bist du zufrieden mit dem Verlauf seit Gründung bis heute?
„Wenn sich mir wieder die richtigen Spiele vor die Füße werfen würden, natürlich. Aber einfach nur um einen Spieleverlag zu haben: nein. Natürlich bin ich zufrieden. Wir haben schöne Spiele auf den Markt gebracht, die man auch dann noch spielen wird, sollte es irgendwann Lookout nicht mehr geben.“

Lookout Games hat dieses Jahr zum Jubiläum eine Reihe von Spielen veröffentlicht. Wird es auch die nächsten Jahre jedes Jahr mehr als zwei, drei Spiele geben?
„Das ist schwer zu sagen. Ich habe jetzt schon wieder so viele interessante Projekte für 2011, da wird es bei manchen wirklich schwer, nein zu sagen. Das neue Jahr fängt mit Ruhm für Rom an, und dann schauen wir mal, was sich alles anschließt."

Welche Veränderung wünscht du dir bei Lookout für die Zukunft?
„Es läuft ja. Warum verändern? Das, was verändert werden musste, nämlich das Logo, haben wir ja schon aktualisiert. Und einen Wunsch? Vielleicht, dass es so gut läuft, dass wir personell noch aufstocken können.“