Camel Up: Supercup - Erweiterung

eine Spielerezension von Alexandra Fauth - 28.12.2015
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Camel Up: Supercup - Erweiterung - Foto von eggertspiele

Wenn ein Spiel des Jahres eine Erweiterung bekommt, noch dazu eines, das so sehr begeistert wie Camel Up, sind die Erwartungen hoch. In der Schachtel liegen wieder einige Stanzbögen, bunte Würfel und verschiedene Karten, das erinnert soweit stark an das Grundspiel. Und wie im Grundspiel die Pyramide gibt es auch hier etwas zusammenzubauen: einen Sockel sowie eine große altmodische Kamera aus Pappe. Der haptische Aspekt, der einen großen Anteil am besonderen Spielreiz von Camel Up hat, wird also beibehalten. Und auch das Spielgefühl eines bunten, leicht chaotischen Kamelwettrennens bleibt erhalten.

Vier neue Module für Camel up

Die Erweiterung Camel Up - Supercup stammt wieder von Steffen Bogen (eggertspiele, Pegasus Spiele). Sie erweitert Camel Up um vier Module, die einzeln, gemischt oder alle zusammen gespielt werden können.

Modul 1: Von Galoppwürfeln und Rennstrecken

Die wichtigste Neuerung, die das Spiel in taktischer Hinsicht am meisten verändert, ist wohl Modul 1 mit seinen Galoppwürfeln und der Spielplanerweiterung. Die Rennstrecke verlängert sich, gleichzeitig wird das Spiel mit bis zu zehn Spielern möglich (das nötige Spielmaterial für den neunten und zehnten Spieler liegt bei). Die Galoppwürfel fügen ein taktisches Element hinzu: Für jedes Kamel gibt es einen weiteren Würfel, der gezielt eingesetzt werden kann, um ein bestimmtes Tier vorwärtszubringen. Der für das Spiel so charakteristische Glücksfaktor bleibt jedoch bestehen, denn es darf nicht gleich losgaloppiert werden; der Würfel wird lediglich der Pyramide hinzugefügt. Zusätzlich löst dieses Element – wenngleich bedingt – auch das kleine „Problem“ des Grundspiels: Hier waren in großen Spielrunden noch enttäuschte Spieler an der Tagesordnung, die aufgrund der Differenz zwischen Spieler- und Würfelzahl innerhalb einer Etappe nicht zum Zug kamen. Das kann natürlich noch immer passieren; Da jedoch meist mehrere Spieler Interesse daran haben, ein bestimmtes Kamel besonders zu fördern, sind automatisch mehr Würfel in der Pyramide und somit auch mehr Spieler am Zug – selbst dann, wenn jeder würfelt, denn die Galoppwürfel werden als Zusatz-Aktion eingesetzt.

Modul 2: Bitte lächeln!

Während Modul 1 Zusatz-Aktionen und –Elemente bietet, erweitern die restlichen drei Module die Zugmöglichkeiten. Mit dem Fotografenplättchen lassen sich, ähnlich den bisherigen Wüstenplättchen (die weiterhin im Spiel sind), aufgrund der Kamelbewegung ägyptische Pfund (also letztlich Siegpunkte) verdienen. Hier kommt die schön gestaltete, aber leider etwas wackelige Pappkamera zum Einsatz. Wie ein Wüstenplättchen wird sie auf ein bestimmtes Feld der Rennstrecke gerichtet und bringt dem Fotografen Geld, sobald eine Kameleinheit vorbeikommt. Dann heißt es „Bitte lächeln!“ – je mehr Kamele, desto besser der Schnappschuss und desto mehr Geld für den Fotografen.

Modul 3: Noch mehr Wetten

Auch die Wetten, die ja im Grundspiel ein wesentliches Element darstellen, bekommen ein eigenes Erweiterungs-Modul. Nun wird nicht mehr nur auf den Etappensieger gewettet, sondern sehr präzise auch auf die genaue Endposition eines bestimmten Kamels. Damit sind auch innerhalb einer Etappe Wetten auf den ollen Etappenverlierer und auf alle Zwischenstufen möglich. Aber Vorsicht, jede Zwischenstufe kann nur einmal gewettet werden und die Mitspieler sind nicht von gestern! Da heißt es, schnell zu sein und zum richtigen Zeitpunkt zuzuschlagen.

Modul 4: Gib mir was ab!

Das letzte Modul, das allerdings erst ab sechs Spielern spielbar ist, dreht sich wieder um die Wetten, diesmal im Kontext der Wertung. Es bietet eine Möglichkeit für hinten liegende Spieler, sich am Erfolg eines führenden Spielers zu beteiligen. Dazu kann eine Wettpartnerschaft eingegangen werden, die der dazu eingeladene Spieler nicht ablehnen darf. Bei der Wertung darf man sich genau ein Plättchen des Partners aussuchen, das der eigenen Punktzahl hinzugefügt wird.

Für wen ist die Camel-Up-Erweiterung Supercup geeignet?

Mit allen Modulen macht Supercup das Grundspiel komplexer und bietet deutlich mehr Variation. Durch das Modul-System bietet Supercup dennoch wie schon das Grundspiel einen sehr leichten Einstieg und lässt sich in seiner Komplexität nach Belieben steigern. Wie das Grundspiel ist es sehr gut zu zweit spielbar, macht aber in nun sehr großen Runden ebenfalls viel Spaß und kann ein starker Stimmungsmacher sein.

Lohnt sich die Erweiterung Supercup?

Camel Up bleibt Camel Up: Ein leicht chaotisches Würfelspiel mit Wettelementen und hohem Glücksfaktor, das dennoch eine gewisse taktische Tiefe bietet. Durch die Module hat man allerdings deutlich mehr Möglichkeiten, den Spielverlauf im eigenen Sinne zu beeinflussen – oder sich grandios zu verschätzen und genau das Gegenteil zu bewirken. Der Reiz der Wetten wird durch die Positions- und Partnerschaftswetten noch verstärkt: Riskiere ich es, die genaue Position zu bestimmen? Hänge ich mich an einen Mitspieler, dessen Wetten meinen widersprechen, oder lieber an jemanden, der ähnliche Wetten wie ich abgeschlossen hat?

Der Spielverlauf ist durch die Galoppwürfel, die jederzeit in die Pyramide geworfen werden können, noch unvorhersehbarer, was den Reiz des Wettelementes zusätzlich erhöht. Supercup macht genau das, was der Name verspricht: Aus dem Grundspiel wird ein Kamelrennen der Superlative. Insbesondere mit allen vier Modulen spielt es sich komplexer, taktischer und – abhängig von der Spielerzahl – chaotischer und spaßiger. Gerade das Spannungsverhältnis zwischen mehr Spielbeeinflussung durch eigene Aktionsmöglichkeiten und größerer Unvorhersehbarkeit durch das Eingreifen der Mitspieler macht Supercup noch reizvoller als das Grundspiel und wird sicher auch nach vielen Partien nicht langweilig werden – egal ob man als Paar, Familie oder Clique spielt. Wo das Grundspiel eine ausgewogene Mischung aus Glücksfaktor, Taktik und Spaßelementen bietet, formt Supercup die ideale Mischung daraus. Eine Erweiterung mit Suchtgefahr!

Wertung: 
Bewertung gut

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-10
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
20-30
Jahrgang: 
2015
Spielkategorisierung
Spielefamilie: 
Spielegattung: 
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