Die Zwerge

eine Spielerezension von Silke Groth - 05.06.2013
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Die Zwerge von Pegasus Spiele

Das kooperative Brettspiel Die Zwerge von Pegasus Spiele basiert auf dem ersten Band der gleichnamigen Romanreihe von Markus Heitz. Hier wie dort ist das Geborgene Land in Gefahr von Orks, Trollen und Albae überrannt zu werden, die über die vier Tore einzufallen drohen. Nur eine kleine, abenteuerlustige Zwergengruppe kann das finstere Schicksal noch abwenden.

Um das Spiel Die Zwerge zu gewinnen, müssen die Spieler eine von drei möglichen Hauptaufgaben meistern. Auf den Weg dorthin ist, neben weiteren obligatorischen Anforderungen, das Schmieden der Feuerklinge immer ein zentraler Bestandteil der Geschichte. Zusätzliche Abenteuer, die zwar nicht zwingend erfüllt werden müssen, aber die Gruppe mit wertvoller Ausrüstung versorgen können oder Bedrohungen, die den Zwergen Steine in den Weg legen gibt es zudem. Die meisten Aufgaben verlangen es, zu einem Ort auf dem Spielplan zu reisen und dort eine Probe zu bestehen, das heißt einen bestimmten Wert zu erwürfeln. Da sich die Zwerge in ihren Stärken in den Attributen Kampf, Handwerk und Laufen unterscheiden, sollten die Aufgaben entsprechend verteilt werden. Die beiden Zwillinge Boïndil und Boëndal stechen vor allem durch ihr besonderes Talent hervor, Gegner fachgerecht zu verhauen, Balyndis und Bavragor sind eher handwerklich geschickt, letzterer weist zudem, dank eines mitgeführten Bierhumpens und dem daraus resultierendem Alkoholpegels, eine natürliche Gelassenheit gegenüber dem Mächten des Bösen auf und Tungdil hat mit seinem Einfluss auf den Rat der Zwerge Stärken auf diplomatischer Ebene und ist ansonsten eher der Typ Allround-Zwerg.

Die Untergangsleiste am Rand des Spielfeldes steuert die Art des Unbills, denen sich die Gruppe zusätzlich stellen muss, und ist gleichzeitig ein Timer für das Spielende. Trifft der Helden- auf den Untergangsmarker, haben die Spieler ebenso verloren, wie bei einem vorzeitigem Ableben eines der Zwerge. Zu Beginn jedes Spielerzuges wird der Heldenmarker um ein Feld auf der Leiste vorangesetzt, was drei mögliche Folgen hat. So kann der Rat der Zwerge, eine weitere Leiste mit positiven oder ungünstigen Effekten, negativ beeinflusst werden, es können weitere Bedrohungskarten in den Abenteuerstapel gelangen oder die Armeen des Bösen fallen über die Tore in das Geborgene Land ein. Letzteres ist das bei weitem häufigste Ereignis und besonders pfiffig gelöst.

Drei Farbwürfel geben bei Die Zwerge die Anzahl der Ork-, Troll- und Albaearmeen vor, die eines der vier Tore erreichen. Sobald sich auf einem Feld der Landkarte mindestens fünf Armeen beliebiger Art befinden, verwandelt sich dieses in Totes Land mit dazugehörigem Marker. Ein farbiger Pfeil auf dem Toten Land variiert den Weg und die Verteilung der Armeen, welche aber letztendlich alle auf das Schwarzjoch im Zentrum des Spielplans treffen. Da Totes Land nicht eben anheimelnd ist, und sich zudem als schlecht für Gesundheit und Mobilität der Zwerge erweist, sollte dies tunlichst vermieden werden. Als wirksamstes Gegenmittel erweist sich da der Kampf, was neben der Fortbewegung, der Beeinflussung des Rates und dem Bestehen einer Probe, eine der Aktionsmöglichkeiten der Zwerge ist.

Die eher zweckmäßige als hübsche Optik von Die Zwerge (schlichte Holzwürfel als Armeen, das Spielfeld in gedeckten Brauntönen) macht auf den ersten Blick nicht viel her, aber spätestens wenn das Geborgene Land von Feinden nur so wimmelt, lernt man die Einfachheit schätzen. Als Ausgleich gibt es schön gestaltete Karten und nette Zwergenminiaturen. So abstrakt und nüchtern das Brettspiel auch gehalten ist, die Romanvorlage wird gut umgesetzt: die einfallenden Horden und die Ausbreitung des Toten Landes, die zunehmend gefährlicher werdenden Abenteuer, der Kampf um die Vorherrschaft im Rat der Zwerge bis hin zum alles entscheidenden Endkampf am Schwarz Joch finden sich auch im Spiel wieder und bieten einen schönen Spannungsbogen. Man muss das Buch nicht kennen, um das Spiel zu schätzen, aber gerade Kenner der Reihe erfreuen sich an den passenden Charaktereigenschaften der Zwerge und den bekannten Örtlichkeiten. Für einen Neuankömmling mag es egal sein, ob er ins Elbenreich Âlandur zu den „Spitzohren“ reist oder in Mifurdania gegen Nachtmahre kämpft, Alteingessene haben dadurch einen deutlichen Mehrwert.

Eingängige und leicht verständliche Regeln machen das Spiel Die Zwerge leicht zugänglich, zudem bleibt es mit einer Spielzeit von einer guten Stunde absolut noch in einem angemessenen Rahmen. Würfelproben en masse und sonstige Zufallskomponenten sind sicherlich nicht jedermanns Sache, wer es planbarer haben möchte, greift besser zu den Legenden von Andor. Die Hauptsache ist aber: Das Spiel ist sehr unterhaltsam und spielt sich in jeder Spielerzahl gleich gut - eine gelungene Buchumsetzung und vor allem ein sehr gutes Kooperationsspiel. Bei Vraccas!

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
60 - 120
Jahrgang: 
2012
Spielkategorisierung
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