Rialto

eine Spielerezension von Michael Weber - 27.07.2013
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Rialto von Pegasus Spiele

Rialto, ein Titel für ein Brettspiel, das wunderbar klingt. Natürlich schwingt Venedig mit und genau das ist auch das Thema im Hintergrund des Spiels von Stefan Feld aus dem Verlag Pegasus Spiele. Konkret geht es darum, durch das geschickte Ausspielen von Karten und das Platzieren von Ratsherren in den sechs spielerischen Stadtteilen von Venedig möglichst viele Siegpunkte zu erzielen.

Der Spielmechanismus von Rialto ist nach einem anfänglichen Fragezeichen schnell verinnerlicht. Das Fragezeichen ist der Anleitung geschuldet, die zwar irgendwie richtig ist, aber kleinere Lücken hat. Das beginnt schon damit, dass sich nur aus den Farben der Stadtteile erschließen lässt, wo der Canale Grande wohl liegt, der für Rialto als Unterteilung zwischen je drei Stadtteilen von Bedeutung ist. Diese Kleinigkeit lässt die Spieler stutzen. Ebenso sind bei Rialto einige andere handwerkliche Unzulänglichkeiten zu beklagen. Die Siegpunkteleiste zum Beispiel, die ja praktisch nach jedem Zug genutzt wird, ist eine Katastrophe. Die viel zu dunklen Felder sind von hellen Fackeln begrenzt. Das ist atmosphärisch, führt aber dazu, dass die Spieler instinktiv den Spielstein immer auf die Fackeln und damit zwischen die Felder setzen. Im nächsten Moment ist dann unklar, ob der Stein auf dem einen oder anderen Feld steht. Diese redaktionellen Schwächen von Rialto sind einfach ärgerlich und vermeidbar gewesen. Ebenso verlangten die Spieler nach einer Übersichtskarte für die Gebäudefunktionen, die eben vor allem anfangs nicht selbsterklärend sind. Aber gut, das sind kleine Ärgernisse, die von einem großen Spielspaß herausgerissen werden könnten. Doch gelingt das bei Rialto?

Rialto - das Spiel

Im Wesentlichen geht es bei diesem Brettspiel darum, dass jeder Spieler zu Beginn einer Runde aus mehreren Reihen offen liegender Karten eine wählen muss. Hier hat der Startspieler, der sich diese Position im Laufe des Spiels teuer erarbeiten muss, natürlich einen Vorteil. Das Problem und eine der größten taktischen Überlegungen bei Rialto folgt aus der Kartenwahl. Denn von den aufgenommenen Karten dürfen nicht alle für die folgende Runde gehalten werden. Es herrscht also Knappheit. Denn die Karten bestimmen das Handeln bei ihrem Ausspielen.

Es gibt bei Rialto insgesamt sechs verschiedene Karten sowie Jokerkarten. Die Karten werden im Uhrzeigersinn von jedem Spieler nacheinander verdeckt ausgespielt und abgehandelt, wobei ein oder zwei Joker eine andere ersetzen. Der Spieler mit der Mehrheit der Karten bekommt bei Rialto einen Bonus.

Zunächst werden Dogenkarten ausgespielt, die einen eigenen Zählstein auf der Dogenleiste nach vorn bringen und so auf die Spielerreihenfolge wirken. Als Bonus gibt es einen Schritt auf dieser Leiste zusätzlich.

Danach werden Goldkarten ausgespielt, die das dringend benötigte Einkommen bringen. Der Bonus ist eine zusätzliche Münze.

Mit den Gebäudekarten können bei Rialto Gebäude im Wert der Anzahl der Karten gebaut werden. Diese Gebäude verändern zum Beispiel die Kartenhand, bringen Siegpunkte oder andere Vorteile. Sie sind ein wichtiger Bestandteil der Jagd auf die Siegpunkte und für eine größere Auswahl an Karten.

Dann folgen Brückenkarten, die bei Rialto eine kleine, aber wichtige Anzahl von Siegpunkte bringen. Als Bonus darf der Spieler mit den meisten Karten eine Brücke zwischen zwei Stadtteile setzen. Damit verändert er durch auf den Brücken aufgedruckte Zahlen die Werte der angeschlossenen Stadtteile positiv. Hier ist Rialto recht spannend, denn der endgültige Wert der Stadtteile wird erst im Laufe des Spiels gebildet.

Es folgen die Gondelkarten, mit denen neue Ratsherren in der eigenen Farbe aus dem allgemeinen in den persönlichen (sozusagen „aktiven“) Spielervorrat gefahren werden. Als Bonus wird hier ein Gondelplättchen mit den Werten 1/1 zwischen zwei Stadtteile gelegt. Ohne Ratsherren geht bei Rialto nicht viel, denn sie bringen bei klugem Einsatz viele Siegpunkte.

Schließlich dürfen mit den Ratsherrenkarten so viele Ratsherren aus dem eigenen Vorrat in den gerade aktiven Stadtteil gesetzt werden, wie Karten ausgespielt werden. Der Bonus für die meisten Karten bringt einen Ratsherren zusätzlich. 

Am Ende dürfen noch Gebäude genutzt werden. Dazu sind die Goldmünzen erforderlich. Hier lässt sich einiges an Boden gutmachen und taktische Komponenten aktivieren.

So, wozu das alles? Am Ende von Rialto werden die Stadtteile ausgewertet. Der Spieler mit der Mehrheit an Ratsherren bekommt so viele Siegpunkte, wie der Stadtteil durch Brücken und Gondeln wert ist. Der zweitplatzierte Spieler bekommt die Hälfte, der drittplatzierte dessen Hälfte. Zusätzlich bringen am Ende einer Partie Rialto noch Gebäude und der eigene Vorrat an Münzen und Ratsherren Punkte. Sieger bei diesem Brettspiel ist der Spieler mit den meisten Punkten.

Ist Rialto ein gutes Spiel?

Das ist in der Theorie alles ganz wunderbar. Soweit ist Rialto ein elegantes, fast schon strategisches Mehrheitenspiel. Es erinnert sogar an das ausgezeichnete San Marco, wenn es auch anderen Prinzipien folgt. Allerdings steckt der Spielspaßteufel im Detail. Denn so gut das alles klingt, ist Rialto auch abseits von handwerklichen Mängeln ein Spiel, das die Spieler entzweit. Die einen mögen es, die anderen hassen es. Und das hat Gründe. Zwar hat der Spieler bei Rialto eine Menge an Einflussmöglichkeiten. Diese sind aber nur scheinbar uferlos vorhanden. Klar, wer auf die Dogenleiste setzt, hat immer die beste Kartenauswahl und kann tendenziell Gebäude etwas vernachlässigen und sich auf Brücken und Ratsherren konzentrieren. Wer auf Gebäude setzt, sammelt Siegpunkte jenseits von Mehrheiten und wer Ratsherren in großer Zahl einsetzt, hat eine gute Grundlage für Siegpunkte, aber es fehlt an anderen Dingen.

Diese Verknappung der Möglichkeiten und die Konzentration auf Wesentliches führt bei Rialto aber leider nicht zu ausgefeilten Strategien. Denn letztlich ist der Spieler – und das noch in Abhängigkeit seiner Position auf der Dogenleiste – auf das Kartenglück angewiesen. Selbst als Startspieler einer Runde gibt es keine Garantie, die gewünschten Karten wirklich zu bekommen, es erhöht sich allenfalls die Wahrscheinlichkeit. Da aber alle sechs Kartenphasen irgendwie wichtig sind und  jeder normalerweise nur sieben Karten vor dem Ausspielen auf der Hand halten darf, muss jeder jede Runde neu gucken, wo er bleibt. Das mag den einen oder anderen Spieler reizvoll erscheinen, artet aber zu einem Gesellschaftsspiel aus, bei dem das Kartenschicksal einen großen Einfluss auf die eigenen Möglichkeiten hat. Einen zu großen für ein Mehrheitenspiel wie dieses, wie ich finde.

Rialto ist letztlich ein Brettspiel, das - auch zu zweit - ganz ordentlich funktioniert. Aber in meinen Testrunden hat dieses Spiel leider nicht überzeugt. Im Gegenteil. Das, was wie eine Herausforderung durch Knappheit der Ressourcen aussieht, bietet als Brettspiel nur einen überschaubaren Einfluss. Letztlich müssen am Ende bei Rialto möglichst viele Ratsherren auf das Brett, denn die bringen satt Siegpunkte. Dazu sind Vorüberlegungen notwendig und mehr Karten als die Mitspieler. Doch wer darauf hinarbeitet, ist auf Kartenglück angewiesen oder/und bremst sich durch Zurückhalten von Karten in vorhergehenden Runden für die folgende aus. Damit wird sämtlicher Planungsanspruch zunichtegemacht. Es lohnt sich bei Rialto fast nur, alle Karten gleich zu spielen und dann ist es ein Glücksspiel mit Akzentsetzen. Es kann dann alles funktionieren, muss aber nicht. Das ist für die gebotenen Spielbestandteile einfach zu wenig.

Wertung: 
Bewertung mittel
Video: 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
45 - 60
Jahrgang: 
2013
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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Kommentare

Das Spiel Rialto ist nicht, wie in der Zusammenfassung eingetragen, bloß für 2 Spieler, sondern für 2 - 5 Spieler. Wenn man bloß zu zweit ist, dann kann man noch einen "virtuellen dritten Spieler" mitspielen lassen.

Das ist richtig. Und es freut uns, dass es jemand merkt.

Wir haben unser System gerade auf eine neue Version upgedatet und haben ein paar Datenverluste, an denen wir arbeiten. Das betrifft unter anderem dei Angaben bei Spielerzahl, Spieldauer und Alter. Diese werden in Kürze nachgetragen.

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