Nations

eine Spielerezension von Ralf Schallert - 21.09.2014
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Strategiespiel Nations - Foto von Asmodee
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Aufbau- und Zivilisationsspiele sind für die meisten Vielspieler aufgrund ihrer Komplexität, der Spieldauer und der engen Verzahnung von Mechanismen die absoluten Highlights innerhalb der mittlerweile fast unüberschaubaren Menge an Spielen. Fand sich vor einiger Zeit mit Civilization über viele Jahre hinweg nur ein unangefochtenes Kult-Spiel in diesem Bereich, so erreichten in den letzten Jahren aufgrund der Vielzahl neuer Ideen, Einflüsse und Verlage doch einige neue Vertreter dieses Genres die Tische der Spieler. Die Bandbreite reicht dabei von Minimal-Spielen wie Uruk oder Roll through the Ages bis hin zu Ausstattungsmonstern wie Civilization: Das Brettspiel. Frischen Wind und neue Ideen für diese Art von Spielen brachte dann Vlaada Chvatil mit seinem Spiel Im Wandel der Zeiten ein. Bei diesem bedient sich das hier vorliegende Nations von Asmodee ganz ungeniert, reduziert dabei allerdings Spieldauer und Komplexität deutlich.

Dartum geht es beim Strategiebrettspiel Nations

Das Wichtigste vorneweg: Nations kommt, wie auch schon Im Wandel der Zeiten, lediglich mit ein paar Tableaus, Spielkarten und Ressourcen-Markern aus. Hier finden sich, anders als z. B. bei Civilization: Das Brettspiel, keine Einheiten auf einem Spielplan sondern die Entwicklung einer Nation wird komplett über Karten gesteuert, die damit auch das Herzstück und der Motor des Spiels sind. Dabei wird durch den Kauf und den Einsatz besagter Karten die Entwicklung der eigenen Nation in den Bereichen militärische Stärke, innere Stabilität, Produktivität, Bautätigkeit und Kunst simuliert und teilweise auf Skalen dargestellt. Hier sollte man es oft tunlichst vermeiden, das Schlusslicht zu sein. Die Nationen der Spieler durchlaufen während des Spiels vier Zeitalter: Altertum, Mittelalter, Renaissance und Industrialisierung. In jedem dieser Zeitalter finden zwei Spielrunden statt, sodass Nations insgesamt über acht Spielrunden läuft.

Zu Beginn des Spiels können als erstes die individuellen Schwierigkeitsstufen für die Spieler festgelegt werden, welche durch die Höhe des jeweiligen, zusätzlichen Einkommens definiert sind. Dadurch kann auch für erfahrene Spieler eine Partie mit Neulingen zu einer ernsthaften Herausforderung werden. Eine weitere Option, um den Schwierigkeitsgrad anzupassen ist es, das Basis-Kartendeck um die Kartendecks für Fortgeschrittene oder sogar für Experten zu ergänzen. Außerdem kann jeder Spieler selbst bestimmen, ob er mit der standardisierten A-Seite seines Nationen-Tableaus oder mit der individuelleren aber auch schwierigeren B-Seite in das Spiel starten möchte.

So wird Nations gespielt

Jede der acht Spielrunden in Nations gliedert sich in jeweils drei Phasen auf: Versorgung, Aktionen und Auswertung. In der Versorgungsphase werden die Vorbereitungen für die aktuelle Runde getroffen. So werden u. a. die Fortschrittskarten entsprechend der Spielerzahl offen zum Erwerb ausgelegt und die für die aktuelle Runde geltenden Ereignisse bekannt gegeben. Die im Spiel erhältlichen Fortschrittskarten gehören folgenden Kategorien an: Berater, Bauwerke, Goldene Zeitalter, Kolonien, Kriege, Militär, Schlachten sowie Wunder. Während Berater, Kolonien und Wunder dauerhafte Boni gewähren, erhalten die Spieler durch Goldene Zeitalter und Schlachten sofortige Boni. Bauwerke und Militäreinheiten hingegen müssen erst einmal durch Arbeiter aktiviert, sprich erschaffen, werden. In der darauf folgenden Aktionsphase können die Spieler ausliegende Fortschrittskarten erwerben, eigene erworbene Karten durch das Einsetzen von Arbeitern aktivieren, um so die Effekte dieser Karte nutzen zu können oder durch das Einsetzen von Architekten weiter an einem Wunder werkeln. Weitere Aktionen gibt es nicht und dadurch ist alles recht übersichtlich und führt nicht zu dem ständigen Gefühl, etwas Wichtiges vergessen zu haben.

Die vorgenannten Aktionen kosten allerdings allesamt unterschiedliche Ressourcen und werden solange reihum ausgeführt, bis alle Spieler gepasst haben. In der Auswertungsphase schließlich werden die Produktionen der aktivierten sowie spezieller dauerhafter Karten gegen notwendige Instandhaltungskosten abgerechnet, die Zugreihenfolge wird angepasst sowie die Ergebnisse von Krieg, Hungersnot und Ereignissen überprüft. Dabei sollte man beachten, dass man genügend der notwendigen Ressourcen für den Start in der nächsten Runde zur Verfügung hat. Während des Spiels gibt es immer wieder die Möglichkeit, aktuell ein paar Siegpunkte zu sammeln, die große Ausschüttung findet allerdings erst am Ende des Spiels statt. Und Bingo! der Spieler, der die meisten Siegpunkte anhäufen konnte, gewinnt. Hierbei werden u. a. Siegpunkte für Fortschrittskarten, den Stand auf der Militär-Zählleiste sowie der Zählleiste für innere Stabilität und für noch vorhandene Ressourcen vergeben.

So leicht ist es nicht

Natürlich spielt sich Nations nicht ganz so leicht, wie diese Zusammenfassung des Spielablaufs glauben machen mag. Viele spezielle Aspekte gilt es im Spiel zu beachten. So ist es z. B. immer vorteilhaft, auf den beiden wichtigen Skalen für militärische Stärke sowie für innere Stabilität nicht komplett ins Hintertreffen zu geraten. Böse Zungen behaupten sogar, dass eine große militärische Stärke grundsätzlich von Vorteil sei. Wenn man sich die bisherige Menschheitsgeschichte ansieht, kann man da leider durchaus gewisse Parallelen ziehen. Durch eine starke Militärmacht werden allerdings auch exorbitant viele Ressourcen verschwendet, die man an anderer Stelle erst wieder mühsam erzeugen muss. Auch das rechtzeitige Bevölkerungswachstum kann Spieler vor Probleme stellen, kosten doch zusätzliche Arbeiter innere Stabilität oder benötigen zusätzliche Nahrung. Deshalb ist ein ordentliches Ressourcenmanagement unabdingbar für ein erfolgreiches Spiel notwendig.

Wie gut ist das Zivilisationsspiel Nations von Asmodee?

Nations ist ein auf das Wesentliche reduziertes Im Wandel der Zeiten. Es spielt sich flott, ist dabei aufgrund klarer und einfacher Regelstruktur schnell verinnerlicht und hat eine überaus hohe Langzeitmotivation. Die funktionelle und handgemachte Grafik ist zwar kein Highlight, hat aber trotzdem einen angenehmen Charme. Während einer Partie muss die eigene Spieltaktik permanent an neu erscheinende Karten und Ereignisse angepasst werden. Das erfordert eine flexible Spiel- und Herangehensweise, starres Festhalten an einer bestimmten Taktik führt nicht zum Erfolg.

Durch die große Anzahl an verschiedensten Karten ist kein Spiel wie das andere, trotzdem aber fast immer spannend bis zum Schluss. Zudem ist Nations durch die unterschiedliche Kartenanzahl in jeder Besetzung sehr gut spielbar und hat sogar einen Solo-Spielmodus. Natürlich spielt sich dieser eher statisch und damit anders als gegen wirkliche Mitspieler, trotzdem ist er ganz hervorragend zum Kennenlernen des Spielprinzips geeignet und man erwischt sich aufgrund der kurzen Spieldauer schnell dabei, doch nur mal den eigenen Highscore knacken zu wollen.

Kurzum, Nations kann ich jedem an diesem Genre interessierten Spieler als spannendes aber auch forderndes Spiel nur wärmstens ans Herz legen, das zudem in keiner Spielesammlung eines Vielspielers fehlen sollte.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spielerzahl: 
1-5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
14-
Spieldauer (Minuten): 
120-240
Jahrgang: 
2013
Spielkategorisierung
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