Seikatsu

eine Spielerezension von Alexandra Fauth - 08.09.2018
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Gesellschaftsspiel Seikatsu - Foto von HUCH
Lesezeit: ca. 6 Minuten

Vögel, Blumen, Koiteiche … Das ist Seikatsu. Das Wort stammt aus dem Japanischen und bedeutet nicht etwa Garten, sondern schlicht Leben. Garten-Legespiele sind schon länger im Trend. Dementsprechend gibt es einige Konkurrenztitel. Seikatsu von Matt Loomis und Isaac Shalev (HUCH!) lädt aber schon allein aufgrund seiner optischen Gestaltung zum Spielen ein. Und mal ehrlich: Das Thema Natur und Garten bietet sich für ein Lege- oder Puzzlespiel auch wirklich an. Es macht einfach Spaß, Grünflächen, Blumenrabatte und Teiche anzulegen und so nach und nach eine immer schönere, buntere Spielfläche zu haben. Manche Spiele nutzen dieses Prinzip auch für andere pflanzenreiche Landschaftsgebiete – wie das erfolgreiche Indian Summer aus dem letzten Spielejahr, das den titelgebenden goldenen Herbstwald thematisiert. Seikatsu befasst sich jedoch mehr mit künstlicher Landschaftsgestaltung. Trotzdem unterscheidet es sich thematisch klar von europäisch-royal geprägten Gartenspielen wie Der Schlossgarten, Die Gärten von Versailles, Sanssouci oder auch Gardens, denn bei Seikatsu legen die Spieler einen japanischen Ziergarten an.

Aber nicht nur optisch, auch spielerisch macht Seikatsu neugierig: Entscheidend ist die richtige Perspektive. Und das sorgt für einiges Gerangel im idyllischen Blumengarten.

Wie spielt sich das Garten-Legespiel Seikatsu?

Beim Thema Japan und Blumen denkt man unwillkürlich an Hanami, die japanische Kirschblüte. Diese kommt aber tatsächlich nur am Spielfeldrand als Illustrationselement vor. Bei Seikatsu dreht sich trotzdem alles um Blumen. Genauer gesagt darum, wer die vielfältigsten Blumenreihen gestaltet und auf dem Weg dorthin die größten Vogelschwärme bilden kann.

Jeder Spieler startet mit zwei Blumenplättchen, die eine Blumensorte und einen Vogel (auch hier gibt es mehrere Arten) zeigen. Abwechselnd legen die Spieler nun ihre Plättchen und ziehen am Zugende jeweils ein neues nach (ein schöner Stoffbeutel fürs Nachziehen ist im Spiel enthalten). Kommt ein Vogel zu mindestens einem gleich aussehenden Artgenossen, bilden sie einen Vogelschwarm und es kommt zu einer Zwischenwertung. Die Blumenreihen dagegen werden erst am Spielende gemäß einer Tabelle gewertet. Je mehr gleiche Blumen in einer Reihe wachsen, desto mehr Punkte gibt es. Gewonnen hat, wer die meisten Punkte hat (auch hier sehr angenehm: keine nervige Punkteschreiberei, sondern eine Kramerleiste außen am Spielfeldrand).

So weit, so einfach. Neben Blumen und Vögeln finden sich außerdem Koi auf den Plättchen. Diese Koiteiche sind Joker. Die armen Fische verwandeln sich also zuerst in einen Vogel (Vogelschwarmwertung) und am Spielende in eine Blume (Blumenwertung). Die Koi sind aber nicht das einzige Element, das Seikatsu taktisch aufwertet. Jedem Spieler wird zu Spielbeginn eine von drei Blickrichtungen zugewiesen. Dadurch wird die Lauflinie der Blumenreihen definiert. Spieler A hat also andere Blumenreihen als Spieler B, obwohl beide auf denselben Garten blicken.

Mit wie vielen Gärtnern lässt sich das Legespiel Seikatsu am besten spielen?

Drei Perspektiven — drei Spieler. Das ist die Basis von Seikatsu und in dieser Konstellation spielt es sich auch fast am besten. Fast, denn auch zu zweit funktioniert Seikatsu sehr gut. Zu viert nutzt das Spiel das Teamspiel. Dabei kommt allerdings kein wirkliches Teamspielgefühl auf. Beide Partner dürfen sich in keiner Weise abstimmen und legen einfach für dieselbe Blickrichtung und ein gemeinsames Punktekonto ihre Plättchen. Das funktioniert schon – irgendwie; Wahrscheinlich am besten, wenn man schon ein gut eingespieltes Duo ist (vielleicht muss man auch einfach vorher oft genug The Mind spielen, wer weiß ;).

Dennoch, um es mal durch die Blume zu sagen: Seikatsu spielt man am besten zu zweit oder zu dritt.

Interessant ist aber auch die Solovariante, die überraschend anspruchsvoll und unterhaltsam ist – für Knobelfans auf jeden Fall zu empfehlen.

Das Garten-Legespiel Seikatsu: Optik und Atmosphäre

Auch im japanischen Ziergarten macht es wie eingangs erwähnt schon durch die Optik einfach Spaß, Blumenbeete zu harken, Vogelschwärme zu bilden und Koiteiche anzulegen (im doppelten Wortsinne). Besonders bei so schönem Spielmaterial, wie Seikatsu es bietet: Angefangen vom ansprechenden Cover mit Spotlack über die zauberhaften Illustrationen (Peter Wocken) und das Zusatzmaterial (wie das Nachziehsäckchen mit Schriftzug) unterstützt die Aufmachung bei Seikatsu den Spielspaß nachhaltig (ein besonders schönes Detail sind die Siegpunktsteine in Blumenform). Auch das Material an sich überzeugt. Zwar sind die Plättchen nicht aus Holz, trotzdem liegen sie gut in der Hand und klicken schön, wenn sie gegeneinander treffen. Einen Wermutstropfen gibt es: Zwei Blumenarten sind so ähnlich, dass wir sie in unseren Spielrunden immer wieder verwechselt haben. Schade bei einem Spiel, bei dem es gerade darum geht, den Überblick zu behalten.

Taktikfuchs oder Glückspilz? Wer spielt gerne das Legespiel Seikatsu?

Es gibt so viele verschiedene Gärtner, wie es Gärten gibt. Manche planen alles von Beginn an durch, schneiden akribisch ihre Hecken und legen alles fein säuberlich geometrisch an. Andere streuen einfach mal ein paar Samen in den Wind und lassen sich von der Natur überraschen. Seikatsu ist als Brettspiel tatsächlich eher für die Planer geeignet. Natürlich weiß man nie vorher, wo der gegnerische Gärtner seine Blumen einpflanzen wird oder ob man ihm mit einem bestimmten Vogel womöglich noch Punkte schenkt. Trotzdem ist die richtige Taktik entscheidend. Und man sollte besser Landschaftsarchitekt und nicht bloß Gärtner sein – man braucht einen gewissen Blick für Perspektive und Geometrie, um den Überblick über die eigenen und gegnerischen Blumenreihen zu behalten.

Glückspilze können in diesem Garten aber durchaus gedeihen. Eingehen werden sie jedenfalls nicht, dafür ist das Glückselement der gezogenen Plättchen zu groß. Insbesondere die Koiteiche bieten zwar taktische Möglichkeiten, sind zugleich aber ein enormes Glückselement, wenn sie wie in der Grundregel einfach irgendwo im Beutel versteckt sind.

Die Regel zu den Koiteichen ist auch einer der Schwachpunkte des Spiels: Zwar gibt es eine Turniervariante, bei der beide Spieler ihre Koiteiche schon zu Beginn des Spiels bekommen. Diese ausgeglicheneren Bedingungen machen Seikatsu aber trotzdem nicht taktischer, denn nun müssen beide ihre wertvollen Koi schon zu Beginn einsetzen. Und wenn man sich den zweiten Teich für später aufheben will, hat man immer nur einen Vogel bzw. eine Blume zur Auswahl, was sich wieder sehr glückslastig anfühlt. Da fühlt man sich auch als Taktikfuchs nicht hundertprozentig wohl in diesem Ziergarten (ein wenig Abhilfe schaffen können natürlich Hausregeln).

Für so manchen Kennerspieler ist Seikatsu vielleicht zu seicht - hier wäre eine Version mit getrennten Vogel- und Blumenplättchen, die die Spieler selbst kombinieren müssen, wohl besser gewesen. Aber so komplex will Seikatsu gar nicht sein. Im Gegenteil basiert Seikatsu gerade darauf, aus den zufälligen Gegebenheiten (das Ziehen der Plättchen) das Beste zu machen.

Fazit: Wie gut ist das Legespiel Seikatsu?

Und so ist es genau diese Mischung aus Glücks- und Taktiklastigkeit, die das Legespiel Seikatsu zu einem taktischen Familienspiel macht. Der Einstieg ist dank der einfachen Regeln sehr leicht und gelingt auch in spielunerfahrenen Runden problemlos. Es ist schnell gespielt und ebenso schnell aufgebaut. Am wohlsten fühlen sich im Garten des Lebens wohl Glückspilze mit ein wenig Taktikerfahrung – oder aber Taktikfüchse, die auch eine Glückssträhne haben. Der Fokus auf die Perspektiven ist dabei erfrischend anders. Und sofern man das Gartenthema mag, ist es ein atmosphärisch sehr schönes Spiel. Nicht zuletzt wegen dieser beiden Punkte wird Seikatsu wohl immer wieder auf unserem Spieletisch landen (wobei man ein solches Spiel ja eigentlich im Garten spielen sollte …).

Video: 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
1-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
30
Jahrgang: 
2018
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