Trans Atlantic

eine Spielerezension von Daniel Wünsche - 13.04.2018
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Brettspiel Trans Atlantic - Foto von PD Verlag
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Schiff ahoi. Mac Gerdts hat es endlich geschafft und sein Spiel Trans Atlantic (PD Verlag) nach jahrelanger Entwicklung auf den Markt gebracht. Für den Spieler beginnt das Spiel mit einer kleinen Bastelstunde, was einen zugegeben ziemlich brillanten Einsatz ergibt, aus vier Stanzteilen. Es findet so alles gut verstaut seinen Platz in der Box, ohne dass alles wie wild durcheinanderfliegt.

Ich muss vorab auch betonen, dass ich nur wenig Erfahrung mit Concordia und keine Erfahrung mit Navegador habe. Zwei Spiele, die gerne in einem Atemzug mit Trans Atlantic genannt werden. Wiederzuerkennen ist der Deckbaumechanismus aus Concordia. Jeder Spieler beginnt mit demselben Satz Karten und kann sie in beliebiger Reihenfolge Spielen. Eine der Karten erlaubt es, die bereits ausgespielten Karten wieder auf die Hand zu nehmen, und durch neue Karten zu ergänzen. Somit wird sich das Kartendeck der Spieler während des Spieles auseinanderentwickeln. Aber auch hier ist nicht aller Tage Abend, denn es verfügt jeder Spieler über die Fähigkeit, mit einer Karte eine Karte eines Mitspielers zu kopieren. Alle Karten werden auf einen eigenen Stapel ausgespielt, sodass jeweils nur die oberste Karte kopiert werden kann. Damit kommt eine Menge Interaktion ins Spiel.

Der Spielablauf von Trans Atlantic

Aber beginnen wir von vorne; um was geht es im Spiel? Spieler kaufen neue Schiffe, Dampfschiffe um genau zu sein. Diese müssen mit Kohle bestückt werden und kreuzen auf den Meeren herum. Sie können fahren gelassen werden, oder werden eben abgewrackt, wenn sie zu lange schon unterwegs sind. Das Schiffsportfolio des Spieles wird je nach Spielfortschritt immer größer, teurer und besser. Somit findet ein natürlicher Verdrängungsprozess in den Regionen statt. Aber vorbereitete Spieler werden die Schiffe bis zuletzt mit Treibstoff/Kohle versorgt haben und die Schiffe auf eine Abschiedsfahrt schicken können. Dadurch werden nochmal eine Menge Punkte generiert, denn je nach Schiffen unter selber Flaggenfarbe in der Reede, gibt es Sonderpunkte. Dieselben Farben finden sich auch auf den Spielertableaus wieder, die es zulassen sich auf bestimmte Faktoren zu spezialisieren (schnelle Schiffe, Kohlenbunker, Fracht, Post oder Passagiere). Dadurch lassen sich, zusätzlich zur Wertung am Schluss, beim Abwracken auch eine Menge Punkte erzielen.

Hier habe ich dann etwas Kritik an einem sonst für uns spielerisch makellosen Spiel. Die Anleitung spricht einmal von Wertung und dann einmal von Schiffswertung, was jeweils zu unterscheiden, aber nicht so offensichtlich ist, wie man glauben würde. Wir haben intuitiv richtig gespielt, aber dennoch kamen immer wieder Fragen auf, wann das Spielerboard in die Wertung mit einfließt und wann eben nicht. Nur am Ende und während des Abwrackens. Nicht, wenn das Schiff eine normale Fahrt auf den Meeren unternimmt.

Lohnt sich das Brettspiel Trans Atlantic?

Trans Atlantic hat uns nicht direkt überzeugt, denn es scheint zuerst eine ständige Dauerschleife zu sein. Die Aktionen sind immer dieselben, und das Spiel scheint wenig Abwechslung zu bieten. Dann hat uns das gewählte Farbschema der Schiffskarten auch noch kalt erwischt. Er war in gar nicht so schlechtem Licht kaum zu unterscheiden, welche Farben die Karten hatten ... Blau oder Schwarz? Und auch die grünen Karten waren farblich nicht weit weg.

Zum Glück haben wir Trans Atlantic noch eine weitere Chance gegeben. Je öfter wir es spielten, desto besser gefiel es uns. Erstens kennt man irgendwann die Karten, die noch dazukommen können, und worauf man eventuell zielen kann, und man kennt die Schiffe und deren Vorzüge.

Zudem wird das Spiel auch interaktiver, wenn man sich mal auf das konzentriert, was die Mitspieler ausliegen haben. Welches Schiff ich kaufe, hängt von vielen Faktoren ab. Wo kann ich es platzieren, welche Farben sammeln meine Mitspieler, auf welche Farben konzentriere ich mich? Und wenn man mit der Variante spielt, was ich absolut empfehlen würde, werden die Werte, die Kapazitäten auf den Karten, plötzlich sehr wichtig. Dann bekommt das Spiel einen leichten Retro-Touch, und erinnert stark an die Quartett-Spiele der Kindheit. In dieser Variante, werden Tonnage, Passagieranzahl und Geschwindigkeit wichtig, im Vergleich mit den schon vorhandenen Schiffen in der Region.

Wer das Brettspiel dann öfter gespielt hat, stellt auch fest, dass es sehr gemein werden kann - oder sagen wir strategisch. Ein Spieler hat drei Kohlen auf einem Schiff gelagert, eine Ressource die nötig ist, um es auf eine letzte Fahrt zu schicken. Bevor nun das Schiff dieses Spielers seine Kohlen aufbraucht, kann ich auch dafür sorgen, dass es die Region verlassen muss und damit zwei Kohlen verwendet. Oder ich sorge in einer Region durch ein besonders schnelles Schiff dafür, dass keiner so einfach an blaue Bänder, einem Marker für das Spielerboard, kommen kann und somit in der Punkteverteilung am Ende deutlich im Nachteil ist.

Für uns ist Trans Atlantic wieder ein voller Erfolg von Mac Gerdts und eine Empfehlung für alle, die ein Spiel mit toller Ausstattung und einem tollen Thema suchen. Es braucht seine Zeit, bis es zu gefallen bereit ist, aber die Investition lohnt sich. Und der Preis ist akzeptabel. Derzeit gibt es das Brettspiel inklusive Versand ab ca. 35,53 Euro im Internet zu bestellen oder zu angemessenen Preisen im spezialisierten Fachhandel.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
60-120
Jahrgang: 
2017
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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