6 nimmt! wird 25

Die Erfolgsgeschichte der Hornochsen

ein Spiele-Artikel von Axel Bungart - 21.01.2019
6 nimmt feiert Jubiläum - 25 Jahre - Foto-Ausschnitt von Amigo Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Jubiläen von Brett- und Kartenspielen sind etwas Außergewöhnliches. In Anbetracht der Vielzahl der jährlichen Neuerscheinungen ist auch die Durchfallquote erheblich.

Spiele, die in diesen Tagen ein langjähriges Jubiläum feiern, mussten im Jahr ihres Erscheinens nicht diesen erbitterten Kampf ausfechten, den ein Spiel heute gegen seine Konkurrenten bestehen muss – rein quantitativ betrachtet. Nichtsdestotrotz war auch vor 25 Jahren ein gutes Spiel damit selbstverständlich noch kein Selbstläufer.

6 nimmt ist 25 Jahre alt - Foto von Amigo SpieleSein 25-jähriges Jubiläum feiert in diesem Jahr (u. a.) 6 nimmt! von Wolfgang Kramer, das 1994 erstmals bei Amigo Spiele erschien. Von Franz Vohwinkel grafisch aufbereitet und von Amigo von Anfang an verlegt, wurde das Kartenspiel mit den Hornochsen ein Klassiker, der es bis in die heutige Zeit mit jährlich rund 100.000 verkauften Exemplaren geschafft hat. Das Spiel wurde in über 20 Sprachen übersetzt und so wurden insgesamt weltweit sogar rund 4 Mio. Spiele verkauft. Im Erscheinungsjahr erhielt es mit dem Kartenspielpreis der Zeitschrift Fairplay („à la carte“) sowie dem Deutschen Spielepreis zwei bedeutende Auszeichnungen. Zudem stand es auf der Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres.

So einfach wie fesselnd

Bei 6 nimmt! legen die Spieler reihum Karten mit Zahlen aufsteigend an Zahlenreihen an. Wer allerdings die 6. Karte in eine Reihe legen müsste, muss die Kartenreihe einsammeln und erhält die darauf abgebildeten Hornochsen als Minuspunkte. Davon sollten es natürlich nicht zu viele werden, weil sonst andere gewinnen. Es ist eben, wie der Untertitel bestätigt, „Kein Spiel für Hornochsen“.

6 nimmt - ältere Ausgabe - Foto von Amigo SpieleDass 6 nimmt! nach wie vor sehr präsent in den Spieleregalen ist, liegt sicher auch daran, dass es eigentlich zu jeder Gelegenheit spielbar ist: als Warm-up, als Absacker, auf der Skihütte in der Mittagspause oder auf Omas 85. am Nebentisch mit den Enkeln und Urenkeln. Da darf die Familie sogar etwas größer sein, denn bei 6 nimmt! können bis zu zehn Spieler mitspielen. Einfache Regeln, schnell erklärt, dazu spannend und mit übersichtlichem Zeitaufwand – das sind Attribute, die ein Kartenspiel offenbar dauerhaft attraktiv sein lässt.

6 nimmt! – eine erfolgreiche Familie

Mittlerweile ist 6 nimmt! zu einer Spielefamilie angewachsen. Neben einer Reihe von Mini-Erweiterungen haben Titel wie Tanz der Hornochsen, Bullenparty, 11 nimmt! oder auch die Einstiegsversion für Kinder, 6 nimmt! Junior, das Thema immer wieder in Variationen aufgegriffen und so zur Verbreitung des Hornochsensammelnvermeidens beigetragen. Und ein Ende ist noch nicht in Sicht.

6 nimmt von Swan Panasia - Foto von Swan PanasiaZum 20-jährigen Jubiläum gab es vor fünf Jahren eine Sonderausgabe mit 10 Sonderkarten. Auch in 2019 gibt es wieder eine Sonderausgabe von Amigo, dieses Mal spielbar in einer Jubiläumsvariante mit 28 neuen Sonderkarten.

Von Koffern mit Heißer Ware …

6 nimmt! war in der Entstehung zunächst ein Spiel mit Koffern und (heißer) Ware. Erst im weiteren Verlauf wurde daraus ein reines Kartenspiel. Auch das markante Rindvieh und der endgültige Name des Spiels entstanden erst kurze Zeit vor der Veröffentlichung. Der damalige Amigo-Redakteur, Joe Nikisch, erkannte gleich das Potenzial des Spiels und zögerte auch nicht, Wolfgang Kramer kurzerhand einen Vertrag zuzusenden. Ein Glücksgriff für alle Beteiligten.

… zum Kartenspiel mit Hornochsen

6 nimmt von Brain Games - Foto von Brain GamesKurioserweise wäre Wolfgang Kramer seine Idee fast abhandengekommen. Er hatte einen Prototyp, den er mit Testern spielte. Denen gefiel das Spiel auf Anhieb so gut, dass sie sich, mit Genehmigung durch Kramer, selber ein Spiel bastelten. Kramer hielt das für eine gute Idee, versprach er sich damit doch weitere Testergebnisse. Allerdings fand dieser Prototyp des Prototyps bei den Mitspielern der Tester ebenso guten Anklang, dass sie sich selbst wiederum einen Prototyp bauten. Das löste zumindest eine kleine Lawine aus, an deren Ende eine nicht mehr überschaubare Menge an Prototypen im Umlauf war. Hätte hier jemand das Spiel für sich reklamiert… Aber alles ging gut, der Rest ist Geschichte.

Von seltsamen Blüten, die durch Exportversionen entstanden, weiß auch Amigo zu berichten. So ist zum Beispiel bei der Chinesischen Version (Swan Panasia) wenigstens noch ansatzweise ein Ochsenkopf zu erkennen. Bei der baltischen Version (Brain Games) ist davon nur mehr mit viel Fantasie etwas übriggeblieben.

„6 nimmt! ist zu einer Marke geworden“, sagt Wolfgang Kramer und wünscht sich, dass es „in 100 Jahren immer noch gespielt wird“. Reich der Spiele wird dann darüber berichten.