Spielgefühl: My Secret Game

Sex sells - aber braucht man das wirklich im Spielebereich?

ein Spiele-Artikel von Bernhard Zaugg - 13.10.2021
My Secret Game - Erotikspiel für Erwachswene
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Axel Bungart sei Dank: In seinem Bericht über die Herzdame mit Gummi und Bondage hat er auf sehr anschauliche Weise gezeigt, dass selbst Spielkarten ein Eigenleben und spezifische Vorlieben haben können.

Mit dem Schließen der Spielschachtel muss also nicht zwingend Schluss mit allem sein. Vielmehr gibt es da möglicherweise Dinge, von denen wir gar keine Ahnung haben und die wir uns auch kaum auszumalen wagen. Für das Spielen selber ist es jedenfalls kaum je wichtig zu wissen, wer die Mitspielenden sind und was sie sonst noch alles denken und tun. Klar, viele der Leute in meinen Spielrunden kenne ich inzwischen recht gut und weiss einiges von ihnen und sie auch von mir. Und dennoch gibt es da Grenzen, die nicht nur mir wichtig und richtig sind.

My Secret Game - oder eben nicht!

Andererseits ist klar, dass diese letzten Dinge vielleicht durchaus interessant sein könnten. Zudem leben viele Spiele ja gerade davon, dass man sich in ungewohnte Rollen und Situationen versetzt oder zu verstehen versucht, was das Gegenüber denken oder wollen könnte. Da ist nicht einzusehen, weshalb Spiele ausgerechnet da Halt machen sollten, wo beispielsweise Filme oder Bücher teilweise erst richtig starten - ich kann selber ja einen Bogen darum machen, wenn mir das Ganze nicht gefällt.

Denn ist es für mich wichtig und will ich tatsächlich wissen, welches die sexuellen Präferenzen meiner Mitspielenden sind und was sie im Bett alles so treiben? Oder bringt es mich bloß auf komische Gedanken und hält es mich vom Spielen ab? Oder noch anders gefragt: Gewinnt das Spiel als solches, wenn es von derartigen Themen handelt? Erfahrungsberichte hier oder da lassen jedenfalls daran zweifeln.

Und dennoch scheint es einen Markt für solche Angebote zu geben. Jedenfalls liegt mit My Secret Game ein Titel vor mir, der als erotisches Abenteuer in einer perfekten Kombination von klassischem Brettspiel, digitaler Welt und jeder Menge Erotik angeprisen wird. Es enthält verschiedene Würfel, Spielfiguren und farbige Abdeckplättchen aus Holz sowie ein grosses Spielbrett. Darauf ist ein Rundlauf mit Feldbezeichnungen wie "Was denkst Du?", "Einfach lecker", "Welt der Erotik", aber auch "Trau Dich!", "Touch & Feel", "Dance & Strip" oder "Showtime!" abgebildet.

Spaß mit Smartphone

Zum Mitmachen benötigen alle ein eigenes Smartphone oder Tablet. Bei der Anmeldung wird unter anderem auch nach der eigenen Kleidung und den persönlichen Vorlieben beim Sex gefragt. Dann folgt die Aufforderung, eine gemütliche Umgebung auf einer großen Decke mit Kissen und Kerzenlicht zu schaffen. Es folgt eine längere Anforderungsliste mit Einträgen wie Musik, Obst, Sahne und Massageöl, aber auch Dildo und weitere, noch explizitere Utensilien, bei denen man sich durchaus fragen kann, wie und wo die in einem herkömmlichen Haushalt zu finden sein sollten.

Zudem hat sich in einer (rein fiktiven) Übungspartie dann rasch gezeigt, was beim Ganzen effektiv im Vordergrund stehen dürfte. Das Spiel als solches scheint es jedenfalls kaum zu sein. So gibt es gar keine eigentliche Anleitung oder einen Spielablauf. Das Ganze beschränkt sich darin, reihum gewisse Vorlieben und Meinungen zu erfragen, es gibt Anregungen, gewisse Dinge zu tun und nach kurzer Dauer fliege ich bereits aus meiner Solopartie mit mehreren Einzelgeräten - die Tücken der Technik halt, die offensichtlich selbst bei solchen windschlüpfrigen Konstellationen vorkommen kann.

Keine Lust auf weitere Lust?!

Andererseits hat sich mein Interesse an einer Fortsetzung der Partie in engsten Grenzen gehalten, so dass ich darauf verzichtet habe, einen neuen Anlauf zu starten. Übrhaupt kann man sich fragen, wozu es ein solches Spiel überhaupt braucht - wenn ich mich in seinem Dunstkreis bewegen will, kann ich das auch ohne das Spiel tun. Und wenn ich spielen will, gibt es haufenweise bessere und interessantere Angebote.

Aber eben, das müssen und können glücklicherweise alle für sich selber entscheiden. Denn eines steht fest: Wenn alle so denken und entscheiden würden wie ich, gäbe es Spiele wie My Secret Game nicht. Was wohl die Herzdame von Axel dazu sagen würde?

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