Was ist ein Stichspiel?

Eine wichtige Spielart kurz erklärt

ein spielerischer Artikel von Axel Bungart - 10.08.2017
Was ist ein Stichspiel

Die Kinder spielender Eltern haben von Geburt an ein Privileg, das andere Kinder - wenn überhaupt - erst in späteren Jahren für sich beanspruchen können (und dann ist es kein Privileg mehr). Quasi mit den Würfeln oder den Karten in der Hand geboren, wachsen sie mit dem Vokabular auf, das die spielenden Eltern ihnen fast mit der Muttermilch weitergeben. So kommt es dann, dass Spieler auf Nichtspieler treffen und ihnen Dinge erklären müssen, von denen sie dachten, sie seien gottgegeben. Manche Dinge sind Spielern halt so fremd, wie dem Hahn das Eierlegen.

Möchte man beispielsweise so tolle Spiele wie Whist, Wizard (Amigo Spiele), Skull King (Schmidt Spiele) oder ganz einfach auch Skat oder Doppelkopf einem Neuling beibringen, kommt man bereits sehr früh in die Verlegenheit zu erklären, was es mit einem Stich auf sich hat. Was ist ein Stich und was ein Stichspiel?

Der Stich beim Stichspiel

Ein Stich (im Kartenspiel) ist das Häufchen Karten, das sich in der Tischmitte dadurch bildet, dass in einer (Karten-) Runde jeder Spieler genau eine seiner Handkarten ausspielt. Es werden also alle von den Spielern in einer Runde ausgespielten Karten zusammengeschmissen. Damit ist ein Stich komplett. Dann erhält diesen Stich jemand, der durch die Spielregeln dazu bestimmt ist, und legt ihn vor sich ab. Sei es, weil man die höchste Karte ausgespielt hat oder die niedrigste oder auch eine besondere, die sozusagen stärker ist als alle anderen. Ob das gut oder schlecht ist, hängt natürlich vom Spiel ab. Häufig spielt dann der Spieler, der den Stich erhalten hat, seine nächste Karte aus, die damit den nächsten Stich eröffnet, usw..

Das Stichspiel und sein Reiz

Meist haben die Spieler eine bestimmte Anzahl an Karten auf der Hand. Und wenn jeder in jeder Runde eine Karte ausspielt, kommt eine Anzahl Stiche zusammen, die der Anzahl der Handkarten eines Spielers bei Spielbeginn entspricht. Stichspiele sind also Spiele, die sich über eine (meist) feste Anzahl von Stichen definiert. Besonders kommt das eben zum Tragen, wenn es sich um die erwähnten Wizard oder Skull King handelt, denn hier müssen die Spieler zu Beginn einer Runde anhand ihrer Karten abschätzen, wie viele Stiche sie in der folgenden Runde machen werden. In anderen Stichspielen muss man auf diese Art und Weise besonders viele oder wenige Punkte sammeln.

Stichspiele haben einen besonderen Reiz, da sie von den Unwägbarkeiten der verdeckten Karten der Mitspieler leben. Oft genug werden hier mit einem einzigen, häufig dem letzten, Stich Pläne zerstört oder Risiken belohnt. Stichspiele wie Skat, Doppelkopf oder dem sehr schwer zu erlernenden Bridge sind, bei allem Glücksfaktor durch das zufällige Verteilen der Karten, durchaus strategisch. Kein Skatspieler würde jemals die Behauptung zulassen, Skat sei ein Glücksspiel. Und in der Tat kann man das vertreten, denn anders ist es nicht zu erklären, dass es sehr gute und weniger gute Skatspieler gibt. Nicht erst seit Loriot.

Simple Stichspiele wie Fünf Gurken (2F-Spiele) oder Sarkophag (Amigo Spiele) bestechen durch einfache Spielregeln und einen eher quirligen Spielverlauf. Andere wie Zoff im Zoo (Spiele von Doris und Frank) sind tierisch-witzig und verdrehen einige Regeln. Und solche wie Sticheln (NSV) sind fordernder. Aber all diese Stichspiele werden gerne als Absacker nach einem Denksportabend herangezogen und lockern verdrehte Hirnwindungen schnell wieder auf.

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