Chill & Chili

Mit Wasser wird's krasser!

eine Spielerezension von Bernhard Zaugg - 21.04.2018
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Chill & Chili - Foto von Schmidt Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Die Aufmachung von Chill & Chili ist echt peppig und das Szenario überaus hübsch und vielversprechend. Sogar der Titel Chill & Chili spricht an und weckt positive Assoziationen, so dass alle bereitwillig mitmachen und gleich loslegen möchten. Denn gegen etwas Feuer und zugleich Erholung kann wahrlich niemand etwas einzuwenden haben. Ausserdem sind Gartenbau, Landwirtschaft und gesunde Ernährung gerade ziemlich in Mode und wissen wir spätestens seit Agricola, dass damit tolle Spiele gemacht werden können.

So wird Chill & Chili gespielt

Allerdings folgt bei Chill & Chili von Lenny Herbert (Schmidt Spiele) dann gleich eine erste kleine Ernüchterung beim Aufbauen und Vorbereiten des Spiels. Der Schachtelboden muss in seiner ganzen Größe in die Tischmitte gelegt werden und funktioniert als Vorratsort für einen Haufen Wasser- und Münzchips sowie einen Teich. Davor werden das Markttableau, eine Auswahl verschiedener Gemüse- und Zubehörkarten und ein dreidimensionaler Brunnen ausgelegt - da gerät selbst ein Tisch im Durchschnittsfamilienformat fast schon an seine Grenzen; von den Auslagen der Spieler und eventuellen Getränken und Snacks gar nicht zu sprechen. Und dann müssen zusätzlich je nach Spielerzahl noch bis zu 60 Chips abgezählt und aus dem Spiel genommen werden: Chill & Chili beweist mit eindrücklicher Deutlickeit, dass nichts von alleine kommt und eine tolle Ernte meist nur möglich ist, wenn zuvor viel Arbeit und Schweiß investiert wurde. Dabei hatte doch zu Beginn alles nach Auszeit und Chillen im Liegestuhl ausgesehen und getönt …

Wenigstens verläuft dann alles Nachfolgende mehr oder weniger flüssig und nicht sehr anstrengend, allerdings fast schon allzu schlank und letztlich ziemlich repetitiv und nicht sehr aufregend. Außerdem muss vor jedem (!) Spielzug einer der Chips aus dem Vorratshaufen in den Teich geschoben werden, was gerne vergessen geht bzw. Unklarheiten schafft, ob dies schon getan wurde. Dabei ist dieser Vorgang wichtig, dienen die Chips doch als Grundlage für spätere Aktionen der Spieler. Ausserdem begrenzen sie letztlich die Spieldauer, weshalb es doppelt ärgerlich ist, insbesondere wenn die Spieler am Ende nicht gleich viele Züge machen können, weil mit den Chips zuvor irgend etwas nicht richtig geklappt hatte.

Der eigentliche Spielzug der Spieler ist dagegen vergleichsweise banal, werden doch entweder eine der ausliegenden Gemüse- oder Zubehörkarten gekauft und auf die Hand genommen oder aber Handkarten abgelegt bzw. Chips aus dem Teich rausgenommen. Auf jeder Gemüsekarte ist dabei vermerkt, mit wievielen weiteren Karten derselben Sorte sie zu einem sog. Beet abgelegt werden darf und muss und wieviele Siegpunkte das am Ende eintragen wird. Es gibt insgesamt sechs Gemüsesorten und ein Handlimit von sieben Karten, was der Sammeltätigkeit gewisse Grenzen setzt.

Es gilt also, möglichst zusammen gehörende Karten zu sammeln, um sie später zu Beeten auslegen zu können und so Siegpunkte zu ergattern. Die aus dem Teich gefischten Chips (stets die Hälfte des noch verfügbaren Restvorkommens) dürfen immer entweder als Geld für spätere Kartenkäufe oder aber als Wasser eingesetzt werden, je nachdem auf welche Seite die Chips beim Einsammeln gedreht werden. Das ist wichtig, wird Wasser doch zum Abdecken spezieller Felder auf den Gemüsekarten benötigt, was den Wert des entsprechenden Beetes verdoppelt, wenn am Spielende sämtliche Pflanzenkarten eines Beetes vollständig bewässert und abgedeckt sind. Daneben verbessern die Zubehörkarten bestimmte Aktionen der Spieler, wobei situativ geprüft werden muss, ob und wann sich der damit verbundene Tempoverlust durch das Aufnehmen und das spätere Ablegen der jeweiligen Karten wirklich lohnen wird.

Chill und Chili ist alles andere als ein scharfes Spiel

Kann kein Wasser- bzw. Münzchip mehr in den Teich verschoben werden, ist das Spiel zu Ende und es wird ermittelt, wer die meisten Siegpunkte gesammelt hat und gewinnt. Das aber interessiert letztlich kaum noch jemanden. Pepp und Chili sucht man jedenfalls vergebens und selbst wenn das Ganze bewusst einfach und für alle sein will, wirkt es eher uninspiriert und seltsam leblos - da gibt es ganze andere, durchaus auch einfache Spiele, die wesentlich mehr Abwechslung und Spannung bieten und daher Chill & Chili in jedem Fall vorzuziehen sind - schöne Verpackung hin oder her.

Video: 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2-5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
30
Jahrgang: 
2017
Spielkategorisierung
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